Kleiner Wirtschaftsvergleich Taiwan – Südkorea

18. Dezember 2007

Taiwan und Südkorea sind auf den gleichen Märkten aktiv, mit ähnlichen Produkten. Es sind Konkurrenten. Einige Taiwaner, die ich kenne, kaufen tendenziell nichts von LG oder Samsung (Ausnahmen bestätigen die Regel). Bestimmt ist das andersherum auch so, im Kleinen wie im Großen. Beide Länder haben interessante Wirtschaftsdaten. Einen differenzierten Ländervergleich hat Mark von toshuo.com gezogen. Seine Herleitung sieht so aus:

Both were colonized by the Japanese early last century, people of both were split from their families as a result of World War II, and both went on to become booming manufacturing centers in the 80’s and 90’s. Right now, Korea and Taiwan are each involved in electronics markets and both invest heavily in China. Korea is China’s #1 foreign investor, and the Taiwanese are putting even more money into the mainland than the Koreans are, via 3rd parties (since direct investment is restricted by the Taiwanese government). Comparisons are inevitable.

Die Daten bei toshuo stammen vom Internationalen Währungsfonds, was auch in der Diskussion dort beim Artikel eine Rolle spielt. Zum einen: der IWF ist nicht die einzige oder unbefangenste Quelle von Zahlen, und zum anderen würde man bei sorgfältigem Arbeiten z.B. auch die Zahlen der nationalen Statistikämter o.ä. berücksichtigen. (Wer Zeit hat kann das gerne machen, da sollte auch Stoff für die eine oder andere Diplomarbeit drin sein.)

Wichtiger Punkt bei allen Zahlen wie Nationalprodukt, Pro-Kopf-Einkommen, etc: Auch wenn die Ausgangslage beider Länder ähnlich sein mag, Taiwans Wirtschaft hängt deutlich stärker vom Export ab als die Koreas, und somit hat der etwas stärkere Wertverlust des NTD nicht nur einen negativen Effekt. Die Exportprodukte sind im Ausland entsprechend billiger zu haben. Dieser Effekt greift für Korea nicht so stark. Zudem ist der indirekte Handel Taiwans mit der VR China zwangsweise über Zwischenhändler in Asien organisiert, und auch das beeinflusst die Preise. Der binationale Handel spielt auch hinein; eine willkürliche Nachricht unterstreicht das: Samsung to cut out Taiwan memory card makers and enter own-brand market. Taiwans Fabriken und Konzerne sind OEM und ODM für große Teile der Welt, aber das muss nicht immer so bleiben.

Auch ein interessanter Vergleich ist der der Einkommensentwicklung in beiden Ländern. Zahlen und Beurteilung sind bei tushuo.com zu haben. Mir fehlen noch Zahlen für Südkorea, hat da jemand Quellen?

Zu den gegenseitigen regionalen Handelsbeziehungen Taiwan-China und Südkorea-China sollten wir nochmal ausführlicher berichten, deswegen hier nur kurze Erwähnungen: zu beiden Ländern gibt es viel und dauerhaften Handel. Taiwans Zahlen für 2007 gegenüber 2006 zeigen dabei um 15-90% nach oben, je nach Branche, und insgesamt um 15% mehr als im vergangenen Jahr.

Politisch lassen sich Zahlen dieser Art natürlich auch verwenden und nach Bedarf wenden, zumal im Wahlkampf. Der Präsident von Taiwan, Chen Shui-bian, hat in seiner Ansprache zum Nationalfeiertag kürzlich einen ganz anderen, ebenfalls einseitigen, zahlenverdrehenden Vergleich gezogen. In der Zukunft werden auch beide taiwanischen Wahlen in 2008 eine Rolle für die weitere Entwicklung spielen. In Korea wird demnächst ein neuer Präsident gewählt. Der derzeitige Präsident wird ja nicht gerade mit Aufschwung und positiven Entwicklungen in Zusammenhang gebracht. Ob sich das demnächst ändert?

Das notorische China Desk, gewohnt rhetorisch heftig, prügelt derweil die DPP. Dabei wäre es vermutlich egal gewesen, welche Partei Taiwan tatsächlich regiert. (Solch engagierte Artikel, seien sie ideologisch auch noch so einseitig, wünsche ich mir nach hegemonialer Medienart auch für die anderen verlinkten Seiten im Kontext dieses Artikels.)

Mittelfristig wird natürlich auch eine Rolle spielen, wie sich China nach Olympia gibt. Die demographische Entwicklung spielt auch hinein – einfach gesagt, Taiwan wie Südkorea fehlen die Kinder. Wie jedem anderen westlich orientierten Land. Wenn China die Zukunft nicht maßgeblich bestimmt, entweder durch Krieg oder einen langsam aufziehenden Sturm, dann tut es der westliche Lebensstil.

Advertisements

Nachrichtenüberblick: Tourismus und Wirtschaft

9. November 2007
  • Wirtschaft zuerst: die europäische Wirtschaftskammer Taipei gemahnt Taiwan zu Reformen und noch weitergehender Deregulierung der Finanzmärkte, und zu einer politischen Verbesserung im Verhältnis zu Festlandschina. (In diesen Zeiten das Wahlkampfs werden da allerorten Positionen eingenommen.) Außerdem hätte man gerne noch mehr Wachstum und beschwört die dräuende Konkurrenz aus Südkorea, Hong Kong und Singapur: EU group urges gov’t to handle economy first, The China Post, 06. November 2007:

    The European Chamber of Commerce Taipei (ECCT) released yesterday its 2007-2008 Position Papers, titled „Time to Act: Roadmap to Renewed Prosperity,“ and urged presidential candidates from the ruling and opposition parties to address fundamental economic development issues that have been stalling for the last ten years under the different governments. […]
    „Taiwan is falling behind while Korea is taking over,“ he added, citing a recent survey that ranked Taiwan’s global competitiveness index behind South Korea’s in 2007. Last September, a World Bank study also showed that Singapore rates 1st for overall business-friendliness, while Taiwan ranks no more than 50th. […]
    Compared with South Korea, Singapore and Hong Kong, the maximum personal income tax in Taiwan is 40 percent, while 35 percent, 16 percent, and 17 percent respectively in all three Asian countries.

  • Spielmaschinen nach Kasino-Art stellt man auch in Taiwan her. Der Hersteller Astro hat jetzt die Lizenz erhalten, Geräte nach Spanien zu liefern: Taiwan maker Astro lands certification for AWP gaming machines in Spain, Digitimes, 09. November 2007:

    Astro, a Taiwan-based developer of arcade/casino gaming machines, on November 8 announced it has secured official certification in Spain for its Blackbeard AWP (amusement with prize) gaming machines and will begin shipments in small volumes to clients in the country by the end of 2007. Astro is the first recipient of such certification in Asia, the company emphasized.

    Blackbeard AWP is a screen-type arcade machine, usually placed at arcade centers, restaurants, bars, etc., Astro noted. There are an estimated 248,000 AWP machines in Spain currently, and only a small portion of them are screen-type models because the Spanish government only began to issue licenses for such models early this year, Astro indicated.

  • Touristisch ging es schon letzte Woche zu, diese Woche gibts eine programmatische Ergänzung. Wer nicht alleine in Taipei ist, der muss quasi unvermeidlich mit Begleitung auch zum Sonne-Mond-See fahren: Im Herzen Taiwans, wo die Sonne den Mond trifft. Spiegel Online, Fernweh, 09. November 2007:

    Lugang – Händchen haltend stehen Pärchen am Ufer und schauen aufs spiegelnde Wasser, im Schimmer der untergehenden Sonne flüstern Männer Heiratsanträge: Zum „Sonne-Mond-See“ zieht es die Verliebten und frisch Vermählten. Jedes zehnte Hochzeitspaar fährt zu diesem Ort, dessen Form im Norden dem chinesischen Schriftzeichen für Sonne ähnelt und im Süden dem Zeichen für den Mond. Doch nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg dorthin ist eine Reise wert. […]
    Von der hektischen Hauptstadt Taipeh im Norden sind es nur wenige Stunden Fahrt ins spärlich besiedelte Bergland zum „Sonne-Mond-See“. Die Strecke führt über Taichung und Nantou – vorbei an Reisfeldern und Bananenplantagen. Grund zur Eile gibt es nicht und so bleibt Zeit für Zwischenstopps – zum Beispiel am „Wu Wei Culture Tea House“ in Taichung, das seinen Besuchern Ruhe und Entspannung bieten will. […]

  • Etwas weiter abseits liegen die Dongsha-Inseln des Pratas Atoll, eine kleine Inselgruppe im südchinesischen Meer. Gewöhnliche Touristen verirren sich kaum hierher, aber das könnte sich ändern, wenn es zum siebenten taiwanesischen Nationalpark erklärt wird. Slice o‘ South China Sea Heaven I (東沙群島) Gefunden in Jeff’s Blog, 09. November 2007:

    Although Dongsha remains off limits to the casual visitor, being part of the documentary team gave me a reason to be there and a seat on the 1 1/2 hour, once-a-week flight from Kaohsiung City.

    Director Su (蘇志宗) was shooting material for a documentary on the Pratas scheduled for release in conjunction with a declaration of Dongsha Atoll and surrounding waters as Taiwan’s 7th National Park. The DVD was released this summer. The National Park, I believe, is still in the works.

    Dongsha Islet, the only part of the Atoll to break surface waters, is one of a number of islands along and around the China coast that has been garrisoned by the ROC military since the Nationalist (KMT) government, under Chiang Kai-shek, executed its „strategic withdrawal“ from the Chinese mainland in 1948/49. China’s new communist leaders lacked a navy to challenge ROC sovereignty offshore, and by the time they had acquired one faced other priorities (the Cold War, détente, maintaining the „status quo“ in Cross-Strait relations) that set ambitions to „liberate“ these scattered island outposts on the back burner.

Auch im unterdessen veröffentlichten zweiten Teil zu Dongsha gibts schöne Fotos zu sehen.


Chinesisches Geld modernisiert Bankensystem in Afrika

1. November 2007

In Afrika unterhalten drei Staaten echte diplomatische Beziehungen zu Taiwan: Burkina Faso, Swasiland und Gambia. Als afrikanische Länder sind sie, zumindest indirekt, auch von aggressiver volkschinesischer Finanz- und Entwicklungspolitik betroffen.

Man darf darauf aufmerksam machen, dass über viel Geld vieles entschieden wird, gerade auch in internationalen Beziehungen. Liberia und Tschad haben ihre Beziehungen bereits früher abgebrochen, wenn auch offiziell aus anderen Gründen. Derzeit wächst die chinesische Beteiligung an afrikanischen Banken, oder wie die Financial Times Deutschland heute in einem Dossier berichtet, „entern“ Chinesen derzeit Banken in Afrika:

Die Chinesen sind an den afrikanischen Banken interessiert, weil sie Gelder in den Bergbau- und Erdölsektor des Kontinents pumpen wollen. China ist auf Rohstoffe angewiesen, um seine Wirtschaft zu modernisieren. Die staatlich kontrollierte China Development Bank wird dem Kooperationsabkommen zufolge mit der United Bank for Africa Projekte in Nigeria finanzieren. China verfügt über riesige Kapitalvorräte, die die Volksrepublik weltweit anlegen will.

Die Zusammenarbeit kommt in einer Phase, in der die großen Banken des Kontinents auf Expansionskurs gehen. Die Zentralbank von Nigeria hatte 2004 eine ganze Reihe von Geldinstituten geschlossen, um den Finanzsektor zu stärken. Von 89 Banken blieben nur noch 25 übrig. Deren Aktienkurse haben in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt.

Die Banken profitieren vom kräftigen Wirtschaftswachstum, das der Öl- und Rohstoffboom vielen Ländern Afrikas beschert hat. Die First Bank, eines der führenden Institute Nigerias, führt bereits Gespräche mit der Ecobank in Togo über einen Zusammenschluss. Andere Großbanken des Landes haben Filialen in Ghana, Gambia und Sierra Leone geöffnet.

„Entern“ klingt nach Piraterie und feindlicher Übernahme. Ob die FTD das so gemeint hat? China steht nicht im Fokus unserer Nachrichten, aber diese Art von Finanzpolitik kann schwerwiegende Folgen haben. Die böse Ein-China-Politik, der auch Deutschland folgt, führt auch dazu, dass die sich konsolidierenden Finanzmärkte in Gambia, Burkina Faso und Swasiland von volkschinesischem Kapitel mitgetragen werden. Da darf man mißtrauisch sein, und sollte es auch. Schon in der Vergangenheit hat die Volksrepublik gezeigt, wie man es mit internationalen Beziehungen hält. Taiwan muss aus der Isolation.


Wirtschaftsförderung: Über 26 Milliarden Euro Umsatz

1. November 2007

Ein schönes Beispiel für kluge Wirtschaftsförderung: in Taiwan gibt es drei Science Parks, staatlich geförderte Wirtschaftszentren mit besonderen steuerlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen.
Der bekannteste ist der Hsinchu Science Park, das „Silicon Valley Taiwans“, im nördlichen Teil der Insel gelegen. Auf der Autobahn 1 von Taipei aus kommt man in Richtung Süden daran vorbei.

Fast alle bekannten Halbleiter-, Optoelektronik- und Elektronikhersteller produzieren hier: SiS, Logitech, Lite-On, Philips, Realtek, … sowie einige kleinere Firmen, deren Namen man in Deutschland kaum kennt. Insgesamt über 300. Acer lässt hier entwickeln. Die ganze Region profitiert davon. Dem Umsatz nach kommt man immerhin in die Nähe des kalifornischen Silicon Valleys.

Wie der Branchendienst Digitimes letztens berichtete, liegt der diesjährige Umsatz (Januar bis August) für alle drei Parks bereits bei über 26,23 Milliarden Euro (1,225 Billionen NT$). Das entspricht auch in etwa dem Gesamtumsatz der deutschen Bayer AG von 2006. Auch die Beschäftigtenzahl, soweit ermittelbar, gleicht sich nach Größenordnung: Bayer 106.000 (Quelle: Wikipedia-Eintrag), Hsinchu Science Park 117,851 (Quelle: Jahresbericht 2006).

Of the eight-month total revenues, NT$634.57 billion or 51.8% came from semiconductor industries, including IC foundry service and IC design, and NT$474.21, or 38.7%, from optoelectronics industries, mainly FPD (flat panel display) makers, the NSC indicated. The NSC projects the 2007 total revenues to be NT$2.01 trillion, increasing by 14.8% from 2006.

Das entspricht ganz gut den vormals berichteten Wirtschaftsdaten. Auf den Feiern zum Taiwanesischen Nationalfeiertag gab es wie letztes Jahr auch schöne bilaterale Zahlen zu besprechen. Dennoch: wie The Inquirer schreibt, haben die taiwanischen Firmen gerade mit der Markendarstellung und und Konsumentenbindung ein Problem: – For the Taiwanese, branding is the key:

Taiwan initially had little consideration for its own branding and other marketing finesse. There are several early contenders still with us: Acer and Mitac have learned a thing or two about marketing over the years, as well as Viewsonic and AOC in monitors or Leadtek in graphics cards. A few others were just as strong at the very start – remember Tatung, with monitors, servers and even SPARCstation RISC workstations? Or FIC’s LEO brand, well known in early ’90s, and all but forgotten today?

There are also big-time OEM/ODM players who started playing the brand game not so long ago, and succeeded quite well – Asustek, for instance, is targetting clearly individualised OEM and branding divisions, even moving its ASUS branded product worldwide HQ to Singapore last year.

Hon Hai, whose Foxconn name is now not just known for Intel CPU sockets, but its own high end mainboard brand. MSI, ThermalTake, CoolerMaster, Nanya, Gainward and many others followed suit – most quite successully, leading to a quantum leap in marketing and brand promotion across the Taiwanese IT industry.

Kurzfassung: Acer fetzt, sagt ZDNet: Acer verzeichnet Wachstum von 42,1 Prozent in 2007, und HonHai FoxConn rockt: Foxconn on-quarter net profits grow over 27% in 3Q07.

Allen Problemen zum Trotz, so ein Wachstum wünscht man sich auch in Deutschland. Gehätschelte Hochschulabsolventen, steuerliche Erleichterung, Existenzgründung leicht gemacht, Diplomanden-Nachschub direkt von den Unis in der Nähe, und dicken Erfolg in weltweiten Märkten… seufz. Ich lebe wohl im falschen Land. Da brauchts eventuell noch mehr solcher Veranstaltungen, wo man voneinander lernen kann, auch wirtschaftspolitisch.