Chen Shui-bian: von lebenslänglich auf 20 Jahre

11. Juni 2010

Heute früh in den deutschen 7 Uhr-Nachrichten im Deutschlandradio: die Haftstrafe für den ehemaligen Präsident Taiwans, Chen Shui-bian, ist von „lebenslänglich“ auf 20 Jahre verkürzt worden. Er sitzt derzeit im Gefängnis in Tucheng in der Nähe von Taipei. Kritiker sehen darin fast schon ein Eingeständnis, dass Chen maßgeblich aus politischen Gründen verurteilt und die Strafe unangemessen hoch angesetzt wurde.

Die Taipei Times hat mehr dazu: High Court to decide on modifying Chen’s corruption conviction.

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Politische Demonstration mit Hunderttausenden

28. Oktober 2008

Was deutschsprachige Medien über Taiwan berichten, stellt Blickpunkt Taiwan immer wieder schön zusammen. Was in der Berichterstattung generell zu kurz kommt sind innenpolitische Themen – hüben wie drüben von wenig Interesse. In jeder Demokratie gibt es aber immer genügend Stoff für Inlandsnachrichten, zumal wenn 200’000 bis 300’000 Menschen demonstrieren gehen.

Am 25.10. gingen in Taipei einige Hunderttausend Menschen auf die Straße, um gegen die Politik des Präsidenten Ma Ying-yeo zu demonstrieren; insbesondere seine gefühlte Annäherung an das kommunistische Festlandschina stößt der Opposition sauer auf. Alternative Begründungen sprechen von einem anderen „heimlichen Thema“ der Demonstration, nämlich dem Machtkampf zwischen Bian-Befürwortern und Bian-Gegnern, oder ganz anders gelagert. Der Ort der Demonstration war gut gewählt, siehe dieses Foto: das breite Gebäude hinten rechts ist der Präsidentenpalast.

Hunderttausende Menschen demonstrieren auf der Straße in Taipei

Hunderttausende Menschen auf der Straße in Taipei

Der frühere Präsident Taiwans, Chen Shui-bian (陳水扁) nahm an der Demonstration teil, mit ihm Teile der Führungsriege. Wer die politischen Farben Taiwans kennt weiß also, dass hier v.a. „Grün“ gegen „Blau“ demonstriert hat. Und die gewohnt emotionalen Geschmäcker taiwanischer politischer Massen fängt ein Artikel der Taipei Times gut ein; das brauchen wir nicht zu wiederholen.

Besonders belustigend für den Außenseiter ist das grüne (sic!) Laserlicht, das anlässlich der Demonstration auf den Präsidentenpalast projeziert wurde; offenbar war der Abstand doch nicht groß genug. Der Privatsender TVBS hat es eingefangen:

Pikante Laserprojektion auf dem Präsidentenpalast

Pikante Laserprojektion auf dem Präsidentenpalast

(Das mit dem animierten Bild klappt hier wohl nicht so richtig.) Das Wort ist 無能: „inkompetent“ und „impotent“ und spricht sich wúnéng. Schroffer Tonfall jedenfalls; hier läßt man keinen Zweifel was man von der Kompetenz des anderen hält.

Hierzulande hätte man kaum den Schneid, so kräftige Worte in schriftlicher Form zu wählen, denken wir. Oder man müsste sofort zurückrudern am Tag danach. Vielleicht ist das der Grund, warum die deutsche Opposition in ausländischen Medien kaum zur Sprache kommt?


Peking für Taipei wie Moskau für Tallinn?

16. Oktober 2008

Bei der Peking Duck fand ich einen Artikel, den Richard von Bill Stimpson zitiert – Dreams of Taiwan. Dort wird der Vergleich aus der Überschrift gemacht. Das ist Stoff für Utopien.
Lesenswert ist es allemal, auch wenn taiwaninthenews nicht geschlossen mitgehen würde – dass man die formale Unabhängigkeit forcieren müsste. Solange die Taiwaner entscheiden können oder nicht entscheiden wollen was passiert… Mit hypothetischen Annäherungen an das Thema kann man aber auch einige der groben Kommentare abperlen lassen – und das eine oder andere Argument mitnehmen.


Messe „Computex“ startet, Standbein für Taiwans Wirtschaft

26. Mai 2008

Wie die Webseite heise.de berichtet startet dieser Tage die Computex, die zweitgrößte IT-Messe der Welt. Nicht im sonnigen Kalifornien, sondern in Taiwan. Das Online-Special ist lesenswert und informativ, gerade wenn man das Land nicht besonders gut kennt. Es sind allerlei Länder-, Reise und kulturelle Informationen gut aufbereitet und verlinkt. Dieser Artikel liefert dazu einige Hintergrundaspekte.

Das Special hilft Besuchern bei der Suche nach einer Unterkunft, bei der Anreise und beim Aufenthalt in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Hinweise für die touristische Erkundung des fernöstlichen Landes dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wer noch zu Computex reisen möchte, muss sich mit den Vorbereitungen allerdings sputen: Die besten Flugverbindungen dürften bereits ausgebucht sein, wer jetzt noch bucht, muss mit langen Wartezeiten auf internationalen Umsteigeflughäfen rechnen.

Bekannte und unbekannte Seiten des Landes zeigen unsere Bilderstrecken zu den Themen Taiwan, Taipeh sowie Essen und Trinken. Auch das neue Messegelände in Nangang stellen wir im Bild vor. Reisende, die Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben wollen, sollten zumindest die einfachsten Redewendungen kennen – wir stellen sie in unserem kleinen Sprachführer vor, die Aussprache lässt sich anhand kleiner Audio-Schnipsel trainieren.

Auch die Millionenstadt Taipeh hat einiges zu bieten, wenn auch der Wolkenkratzer Taipei 101 durch den Bau des Burj Dubai nicht mehr der welthöchste Wolkenkratzer ist. Besucher mit empfindlichen Mägen sollten auf jeden Fall unsere Übersicht über das Essen in Taiwan berücksichtigen.

Einen Besuch in Taiwan können wir auch abseits dieses Events empfehlen, das steht außer Frage.

Wer thematisch gar nichts mit all dem anfangen kann, dem sei exemplarisch dieser Artikel bei taiwaninthenews empfohlen und zudem Nachrichtensender a la N24 o.ä., oder Youtube: da läuft ein Werbespot für Taiwans IT-Industrie, mit einigen Zahlen über weltweite Marktführerschaft und dem sinnfälligen Spruch „You’ll find IT in Taiwan“. Und genau darum gehts auf der Messe. Nicht ohne Grund hat der neue Präsident Taiwans die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, die Wirtschaft zu stärken, das Statusbewusstsein ist enorm.

Für die Volksrepublik China, die wirtschaftlich mit Taiwan aufs engste verflochten ist, gilt v.a. der Status als billiges Produktionsland, das zudem noch direkt vor der Haustür liegt. Bei heute.de erschien neulich ein Interview mit Andreas Gursch vom Deutschen Wirtschaftsbüro in Taipeh, das ganz gut erläutert, wie stark Taiwans Wirtschaft und wie groß ihre Strahlkraft in Asien ist (wir berichteten). Was im Interview nicht erwähnt wird, sind Taiwans Exportbeschränkungen für Hightech-Produkte – es darf also nicht alles auswärts produziert werden. Auch hier fürchtet man chinesische Copycats und ungewollten Wissenstransfer, und fördert massiv innovative Forschung und Entwicklung, um Brain Drain klein- und Innovationen im Land zu halten. Da erfüllt es mit Genugtuung, dass sogar der koreanische Dauerkonkurrent Samsung Flachbildschirme in Taiwan fertigen lässt und die VR China lahm verkündet, man wolle mehr LCD-Panel-Fabriken ins Land holen.


Nachrichtenüberblick: Kultur und Sprache

17. November 2007
  • Im iota-Blog von Chuanru liest man mehrsprachig etwas über eine Webseite, die sich mit Taiwanisch (der Sprache) befaßt. Soviel Einsatz, darüber auf italienisch zu schreiben wird mit einer Verlinkung belohnt (und ich muss mein italienisch aus den hinteren Winkeln meines Hirns hervorholen). blog che parla della lingua taiwanese

    stamattima ho scoperto un blog molto interessante nel quale si parla della lingua taiwanese, e l’autore secondo me non è taiwanese, però parla delle cose che neanche i tanti taiwanese non s’importa─la nostra lingua…perchè adesso tanti taiwanesi pensa solo studiare l’inglese. Grazie a questi stranieri che conoscono Taiwan forse più che noi per fare la gente conoscere le culture taiwanese in loro lingua…l’inglese, l’italiano, la polacca…

    Ecco il sito: Tailingua(Tâi-ôan-ōe ê Eng-gí kài-siāu, An introduction to Taiwanese) http://tailingua.com/

  • „Das echte Taiwan“ verspricht CCA Web site in English promotes Taiwanese culture, Taipei Times, 9. November 2007:

    English speakers around the world who are interested in Taiwanese culture, arts and entertainment have increased access to information through a Web site officially launched yesterday.

    Culture.tw, funded by the Council of Cultural Affairs (CCA) and run by the Central News Agency (CNA), aims to be the main Internet portal that „showcases the rich and colorful culture of Taiwan in English,“ Chief Editor of the site Miranda Loney told a press conference in Taipei yesterday.

    After more than a year of planning, culture.tw was launched quietly in July on a trial basis, council Vice Chairman Wu Chin-fa (吳錦發) said.

  • Von der 2007 World Hakka Culture Conference kommen einige Forderungen. Minister of the Council for Hakka Affairs Lee Yung-teh (李永得) will Hakka fördern, hier die Sprache: Council to push for new Hakka cultural regions, Taipei Times, 9. November 2007:

    More than 300 Hakka community leaders from 20 countries around the world attended the conference, council spokeswoman Huang Hsiao-yi (黃孝怡) said.

    „Without promotion or economic benefits attached to it, the Hakka language, will still be threatened by the dominant [Mandarin] language even if it becomes an official language,“ Lee told the Taipei Times in a telephone interview.

    The Cabinet has drafted a National Languages Development Law (國家語言發展法) that aims to give all languages spoken in Taiwan — Hakka, Hoklo, Mandarin and Aboriginal languages — official status.

    The draft bill was submitted to the legislature for review earlier this year but remain stalled in the legislature because of pan-blue objection, Lee said.

    „Setting up special Hakka cultural regions is one of our Hakka cultural development strategies,“ he said.

  • Die Musikzeitung the rockit bringt einen Artikel über die Indiependent-Musikszene in Taiwan. Es gibt wohl noch mehr Bands als die namenlose, die ich einmal hören musste, ausgeführt in ein Restaurant das ich nicht mochte (armselige westliche Imitatküchen) und mit gesellschaftlicher Aufgabe, die mir nicht gefiel (gewolltes Wohlgefallen bei künftigen Partnern darstellen). :] Sister City Salute: Taipei, Taiwan.
    Zitieren darf man den Artikel leider nicht, aber ich empfehle ihn dennoch, auch die Linkliste am Ende des Artikels. Danke robotactionboy.