‚Taiwan Corner‘ jetzt auch auf deutsch

22. März 2010

Wie die Taipei Times meldet erhält das dänische Onlinemagazin ‚Taiwan Corner‘ eine deutsche Abteilung. Immerhin die Titelseite des Newsletters wird wird übersetzt, so dass jetzt neben Niederländisch, Englisch und Chinesisch jetzt auch die deutsche Nachrichtenwelt leichteren Zugang zu Nachrichten aus Taiwan hat. Hey, mit diesem Anspruch sind wir uns gar nicht so unähnlich! 😉 Willkommen!

In Zukunft also direkt hier entlang: http://www.taiwancorner.org/German/index_ger.html

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Anmerkungen zu Patriotismus, Psychologie und Vereinigungsphantasien

4. Februar 2010

Das viel fleißigere Blog Blickpunkt Taiwan hat einige gute Anmerkungen zu einem Reiseartikel, der im Juli 2009 in der Welt Online erschienen ist: Die buckelige Verwandschaft? Lesenswert, beide Artikel.

Interessant und unvermeidlich beim Blickpunkt ist der Hinweis, dass beinahe jeder Artikel über Taiwan irgend eine Referenz zu China enthalten muss, so auch der in der Welt von heute. Scheint tatsächlich so zu sein. Das ist aber keineswegs „natürlicherweise“ so, sondern irgendwie immer einer schlechten, also unvollständigen und oft unverständigen Berichterstattung geschuldet. Wer weiß denn hierzulande besonders viel über Taiwan? Unsere Großväter sind alt genug, um noch „Nationalchina“ von „Rotchina“ unterscheiden zu können, und kennen den Namen „Formosa“. Etwas jüngere und weltpolitisch informierte wissen über Taiwan, dass „es unter der ständigen Bedrohung durch China“ lebt. Nunja, so ganz falsch ist das nicht. Aber arg verkürzt. Wie soll man das formulieren, wenn man nur eine kurze Fahrstuhlfahrt lang Zeit hat? Eine richtig gute ein-Satz-Antwort haben wir auch nicht immer parat. Mir fiel in obiger Situation nur ein zu sagen, dass man da schnell ins diskutieren kommen würde und es viele kontroverse Meinungen gibt. Und dass die Politik zum Glück eine größere Rolle spielt als eine unmittelbare Kriegsdrohung. Da gingen die Fahrstuhltüren schon wieder zu. Keine gute Voraussetzung, auf Regierungen und ihre Positionen abzuheben.

Dieses Blog versucht in unregelmäßigen Abständen das Wahrnehmungsfenster zu weiten, oder zumindest beständig offen zu halten. Blickpunkt Taipei macht das regelmäßiger und profunder als wir, aber auch da vermisst man ab und an etwas. Offene Türen einrennen ist das eine, aber den Blick zuerst einmal zu öffnen ist oft schwieriger als man ahnt.

Ein Problem ist die mangelnde Anerkennung der Wirtschaftskraft Taiwans. Für ein so kleines Land ist Taiwan sehr leistungsfähig. Wir haben anderswo schon Vergleiche gezogen (und werden das demnächst mal wieder tun) – was da im Bild noch fehlt ist eine Studie zur, ich sage jetzt mal „Markenwahrnehmung“. Jeder Taiwanese, der auch nur ein wenig 愛國, also Patriot ist, wird sofort eine ganze Latte von Herstellern, Marken und Produkten nennen können, die genuin aus Taiwan stammen. Aber anderswo auf der Welt fehlt schlicht das Wissen, selbst bei Overclockern und IT-affinen Zielgruppen. Damit kommt auch eine gewisse Verankerung taiwanischer Marken in Europa zu kurz. Und das hat nicht unbedingt politische Gründe.

Das vielleicht beste, oder jedenfalls ein treffendes Beispiel ist Giant, die Fahrradmarke. Fast jeder beliebige Fahrradladen in Deutschland dürfte das eine oder andere Poster aufgehängt haben, auf dem „Giant USA“ beworben wird. Ich kenne die Marke gefühlt seit Ewigkeiten – aber bis ich ca. 2000 darauf aufmerksam wurde ahnte ich nicht, dass sie aus Taiwan stammt. So kanns hierzulande gehen, während man in Taiwan sichtbar stolz ist über die Marken und entsprechend pikiert, wenn man sagt „…aus den USA?“.

Wenn es gut steht haben Menschen aus dem IT-Bereich im weiteren Sinne gleich eine ganze Reihe Fakten parat: 80% aller Hardware komme aus Taiwan, wird dort oder outgesourct in China hergestellt. Manche wissen noch, dass sie zumeist in Taiwan entwickelt wird. Die Marken sind zahlreich und decken weite Teile des Marktes ab: Asus, Acer, MSI, Foxconn, Gigabyte, ASRock, Tyan, Transcend, Adata, G-Skill … aber selbst hier hört die Wahrnehmung bald auf. Ich fand dieses Video, wo die Moderatorin mehrmals und zunehmend drängelnd versucht, dem Overclocker „Sascha“ mehr Marken zu entlocken, und scheitert:

Was hat das mit politischen Sichten auf Taiwan und China zu tun? Die Metapher vom „großen Bruder“ im Reiseartikel ist zumindest unglücklich gewählt. Die Familienähnlichkeit mag bestehen oder nicht. Die Vergleiche hinken schnell, denn China ist nicht geteilt und nicht wie Deutschland geteilt worden. Es gab einen Bürgerkrieg. Eine Wiedervereinigung mag mancher wünschen, unterliegt dabei einem Trugschluss – dem Teil „wieder“. Daran ändern auch „furry lardbombs“ im Zoo Taipei nichts.

Den Gedanken, dass eine einsichtig gewordene Volksrepublik tatsächlich demokratisch wird und sich formal der Republik anschließt halte ich für den gewagtesten. Aber zuvor müssen beide Seiten, so sie es denn wollen, sich mit der Vergangenheit beschäftigen, ohne in Zoten und


Presseschau zum Verhältnis China-Taiwan (2)

18. September 2007

Mehr Rhetorik aus allerlei Richtungen gabs zum alten Thema des angestrebten UN-Beitritts von Taiwan Anfang dieser Woche. Blogs, Zeitungen, Regierungen, alle geben ihres dazu. Hier eine Auswahl, vage ungeordnet:

  • International Herald Tribune: Chinese leadership faces fresh challenges from Hong Kong and Taiwan, 16. September 2007:

    On Saturday, the Taiwanese leader called on tens of thousands of supporters at a rally in the southern city of Kaohsiung to back the referendum, which is timed to coincide with the presidential poll next March. The opposition Kuomintang Party also mobilized tens of thousands Saturday at its own rally in the central city of Taichung, calling for a referendum on UN admission under Taiwan’s official name, the Republic of China, or any other „pragmatic“ name.

    Der bisher sympathischste Artikel zum Thema, differenziert dazu. Präsident Chen bleibt ja tatsächlich noch die Möglichkeit, nach dem Sieg der DPP nächstes Jahr, auf eine formelle Abstimmung zu verzichten. China manövert bereits herum, will Angst verbreiten und signalisiert wohl auch den USA, dass man keinen Spass verstehe. So kurz vor Olympia will man es nicht drauf ankommen lassen müssen, so als gutes Gastgeberland…

  • Ein anderer Präsident bloggt über die Demonstrationen vom Samstag in Taipei, wo die pan-grünen zu zehntausenden auf die Straße gingen. Hoteldevilart Hotelvilladeart, 17. September 2007:

    Zehntausende Taiwaner aus verschiedenen politischen Lagern demonstrierten auf zwei großen Kundgebungen in Kaohsiung und Taichung für den UN-Beitritt ihres Landes. Taiwan soll entweder unter dem offiziellen Landesnamen „Republik China“ oder eben als „Taiwan“ in die UN aufgenommen werden. Präsident Chen Shui-bian möchte die Taiwaner in einem Referendum darüber abstimmen lassen, ob das Land sich in Zukunft unter der Bezeichnung Taiwan um die Aufnahme in die UN bemühen soll. Die demokratische Insel vor der Küste Chinas startete zudem eine Werbekampagne, um in den westlichen Gesellschaften für Unterstützung in dieser Sache zu werben.

  • Taipei Times (von AFP übernommen): China protests US weapons sales to Taiwan, Dienstag 18. Septemer 2007

    China yesterday protested against proposed US$2.2 billion US weapons sales to Taiwan, urging Washington to cancel the deal and end its ties with the Taiwanese military.

    „The Chinese side strongly opposes the sales of weapons to Taiwan by the US government,“ a foreign ministry spokeswoman said. „This constitutes rude interference in China’s internal affairs. The Chinese side strongly protests against this and has raised solemn representations with the United States.“

    Hier gehts um den Seefernaufklärer Lockheed P-3C Orion, von dem ein Dutzend von den USA an Taiwan verkauft werden sollen. Taiwanstraße, Seeweg, U-Boote… verstanden? Das ist derselbe Flugzeugtyp, wenn auch in anderer Ausstattung, von dem damals April ein Exempkar 2001 den Chinesen unverhofft in die Hände gefallen ist. Die Kommunisten wissen um das verschobene Gleichgewicht, wenn Taiwan gleich 11 mehr davon hat.

  • Xinhua-Propaganda: Overseas Chinese continue to blast Taiwan referendum plan vom 18. September 2007 berichtet die Meinungen von pro-volksrepublikanischen Überseechinesen aus aller Welt. Man solle doch eine „nüchterne“ Entscheidung treffen, wenn es zur Volksabstimmung komme.

Alles geschenkt. Auch die Taiwanesen werden nicht nüchtern urteilen können, wenn sie wie jedes andere Volk auch schon nach einem Jahr vergessen haben, dass Zehntausende damals den Rücktritt Chen Shui-bians forderten. Nüchterner als wir hier „im Westen“ sind sie genausowenig, wenn sie nach der vierzehnten Ablehnung durch die UN es erneut versuchen. Aber so funktioniert die Politik, wenn sie demokratisch gehandhabt wird.


Ang Lee, „Meisterregisseur“ von Venedig

10. September 2007

Die Filmfestspiele in Venedig brachten einen Überraschungserfolg für Taiwan: Regisseur Ang Lee gewann für „Lust, Caution“ den goldenen Löwen. Das Echo darauf ist gut durchmischt, zumal in der letzten Woche sein Film eher müde Reaktionen bewirkte. Anders war das 2005, als sein „Brokeback Mountain“ schon im Vorfeld ein heißer Kandidat für den 1. Preis zu sein schien. Und eigentlich ist es egal, ob die Sexszenen diesmal tatsächlich echt waren statt nur angedeutet und gespielt; viel Publicity ist sicher.

‚Slant Eye For The Round Eye‘ berichtet Lust, Caution wins Best Picture, Real Sex Scenes, Lee booed, and Asian Dominance?, Frood berichtet Lust, Caution: Pushing for More Media Openness in China?. Die Taipei Times sind heute ausführlicher, unter einem Titel der das nicht ahnen lässt: Political cinema prevails at Venice Letzte Woche noch enthielt sich Xinhua einer allzu deutlichen Wertung, schreiben sie diese Woche unter kräftiger Verbiegung vom „chinesischen Regisseur“ Ang Lee wins second Golden Lion at Venice Film Festival.