Olympia, Taiwan und Burma

27. August 2008

Wer die Schlußfeier der 29. Olympischen Spiele im ZDF gesehen hat mag es mitbekommen haben: eher am Anfang der Nationen verabschiedete sich Taiwan, und die Kommentatoren sprechen gefühlt minutenlang über Taiwan, benennen die Lage in der internationale Politik und das Verbot der taiwanesischen Flagge in der Volksrepublik China. Bei der Aufzählung der Eigenschaften fehlte uns etwas das Schlagwort „Demokratie“, das einen kräftigen Kontrast zum Gastgeberland aufgespannt hätte, aber allzu kleinlich wollen wir nicht sein. Die Kommentare waren gut in Ordnung, kamen zur rechten Zeit, und haben womöglich den einen oder anderen Zuschauer darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Nachschlagen lohnt. Danke ZDF!

Hier funktioniert die Mediathek nicht, aber man kann im Prinzip die Übertragung der Abschlußfeier noch einmal angucken, hier: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/569154?inPopup=true. Wenn das inklusive Kommentar ist dann mal aufmerksam die ersten paar Minuten verfolgen.

Was uns entgangen war: offenbar wurde verschiedentlich die burmesische Flagge verwendet und von Taiwan verwendet – weil sie recht ähnlich sieht. Farbgebung und Aufbau sind praktisch gleich, nur das weiße „Ornament“ im blauen Feld links oben ist anders: statt der republikanischen Sonne (Taiwan) sind einige Symbole Burmas zu sehen. Mit etwas Abstand oder schlechtem Empfang hat man so geschickt das Verbot umgangen.

Die Spiele selber haben wir kaum verfolgt, von den von Zhang Yimou spektakulär inszenierten Ein- und Ausgangsfeiern abgesehen. Wir wissen aber den Medaillenspiegel dank des Internets nachzuschlagen: Taiwan, das entwürdigenderweise als Chinese Taipei antreten muss, belegt Rang 80, mit 4 bronzemedaillen. Die Schweiz ist 34., und Deutschland immerhin 5. Alle Achtung. Bei der Überzahl volkschinesischer AthletInnen ist das ganz ordentlich.
In den ersten Tagen der Spiele haben wir allerdings Chen Wei-Ling zugesehen, die im Gewichtheben noch versucht hatte, den politischen Konflikt durch mehr Gewicht umzukehren und mehr zu reißen als die Goldmedaillengewinnerin Chen Xiexia (VR China). Die Niedergeschlagenheit war ihr anzusehen.


Veranstaltung: Lesung mit Ilka Schneider am 4. September

27. August 2008

Im Kultur-Café Quchnia in Berlin findet am Donnerstag, dem 4. September 2008 eine Lesung mit Ilka Schneider statt, Titel: „Zwischen Geistern und Gigabytes – Abenteuer Alltag in Taiwan“. Das gleichnamige Buch ist praktisch das einzige unterhaltsame und lesenswerte aktuelle Buch über Taiwan, das man derzeit auf deutsch kaufen kann, so der Text. Wir kannten weder das Buch noch die Autorin, es sei uns verziehen.

Wie man in ihrem (kürzlich gestarteten) Blog und der Homepage nachlesen kann, scheint die Autorin vielfache Interessen zu verfolgen, und das liest sich dann einsichtsvoll etwa so:

Ich möchte mal so sagen: wenn man 40 ist und drei bis vier Jobs macht, um gleichzeitig seinen Berufungen folgen zu können, oder was man eben dafür hält, wenn man dann noch Chinesisch studiert, dieses Studium aber nicht abschließen kann, weil für das erforderliche Zweitfach Zeit und Lust fehlen, wenn das alles so ist, muss die Frage erlaubt sein, warum man dann doch eine Zwischenprüfung ablegen will. Noch dazu nachdem der Wissenszenit wegen anderweitiger Beschäftigung (siehe oben) schon erheblich überschritten wurde. Wenn man dann noch „man“ durch „ich“ ersetzt, wird die Frage extrem aufdringlich, also lass ich das besser. Aber um mir selber nicht so ein Zensurodeur zuzulegen, lasse ich die Frage selber natürlich zu. Fragen kostet ja nichts. Wenn man nicht gerade auf einer Hotline eine Frage stellen will. Aber hier: ganz kostenfrei. Antwort habe ich trotzdem nicht. Das ist natürlich dann erfreulich, dass man dafür nicht auch noch Geld ausgegeben hat. Man muss auch nicht jede Frage beantworten, nur weil es erlaubt ist sie zu stellen. Obwohl das schwer ist nicht zu antworten.

Klingt als würden auch taiwaninthenews die Lesung besuchen wollen. Solche inneren Stimmen haben wir doch alle. :)

Veranstalter ist die Taipeh Vertretung, deswegen gibt es die Ankündigung nirgendwo online. Man bittet auf dem Flyer um Rückantwort bis Montag, den 1.9. entweder per Telefon 030 20361400 oder Fax 030 20361410, oder immerhin per Mail an pressetaipeh-berlin@gmx.de.

Das Café Quchnia liegt zentral in Berlin-Mitte, Markgrafenstraße 35 und ist hervorragend mit dem ÖPNV erreichbar.