0988 888 888 für 130’000 Euro

30. November 2007

Aus der Abteilung kulturelle Kuriositäten: für bestimmte Nummernkombinationen wird in Taiwan viel Geld bezahlt – jüngst an die 220’000 Euro für eine Reihe von Telefonnummern, die Glück, Geld und Vermögen bedeuten. Chinesen lieben Zahlenspiele, und die 8 klingt auf Mandarin wie auf Taiwanisch nach Geld – je häufiger sie vorkommt, desto mehr Geld wird auch dafür ausgegeben. Unter den zehn versteigerten Mobilnummern befanden sich folgerichtig 0988-888-888 (achtfaches Glück, ca. 130’000 Euro), 0988-168-168 (immer wieder viel Geld verdienen) und 0988-555-888 (ich ich ich verdiene und habe viel viel Geld).
Da anzurufen ist sicherlich möglich, aber tendenziell unspannend: auf der Auktion haben Unternehmen geboten, und so landet man vermutlich bei den zugehörigen Presseabteilungen. Vorwahl nicht vergessen: 00886, und dann die führende Null der Mobilfunknetz-Einwahl 0988 weglassen, wie überall anders auch.

Aus The China Post, 30. November 2007: Lucky phone numbers fetch NT$10 mil. in Taiwan auction.


Sprachlos

28. November 2007

Abbildung Titelseite PR mod’s hair (Ausschnitt) Falls sich noch jemand fragt, warum es dieses Blog braucht: das seltsame PR-Magazin der Kette mod’s hair beweist es in Ausgabe 42 01/07. Da wurde dummdreist die Nationalflagge Taiwans mit der von Thailand verwechselt. Sowas ist unsäglich peinlich, weswegen der Fehler hier genüßlich abgebildet werden will.

Flagge von Thailand statt der von Taiwan

Brrr. Vielleicht muss man die Redaktion mal darauf hinweisen. Besonderes Talent scheint da nicht am Zuge gewesen zu sein. Oder wurde da einfach die interne Qualitätskontrolle weggespart?


Exportschlager taiwanische Jade – 3000 vor Christus

20. November 2007

Der Spiegel Online bringt heute eine großartige Nachricht: Taiwan war vor Jahrtausenden Export-Zentrale, heute am 20.11.2007:

Taiwan war einst das Herz eines florierenden Geschäftes mit Jade – und zwar schon vor bis zu 5000 Jahren. Nach ganz Südostasien exportierten die Einheimischen ihre Jade-Kunstwerke, wie Forscher nun nachgewiesen haben. Wer die Jadekünstler jedoch waren, bleibt rätselhaft.

Für die damalige Zeit muss in Südostasien ein außerordentliches Handelsnetz existiert haben. Die Jade aus dem Ort Fengtian im Osten Taiwans war offenbar so populär, dass sie sich zu einem Exportschlager entwickelte. 144 Artefakte untersuchten Hsiao-Chun Hung von der Australian National University in Canberra und sein Forscherteam. Aus Taiwan, Malaysia und Vietnam sowie von den Philippinen stammten die Schnitzerei-Funde. Die Jade, aus der 116 der untersuchten Stücke bestehen, hatte jedoch den gleichen Ursprung: Fengtian.

Auch die Berliner Zeitung, die China Post, Independent Online und nature news bringen diese Nachricht. Alle beziehen sich mehr oder minder explizit auf einen von reuters ausgewerteten Fachartikel der australischen Forscherin Hsiao-Chun Hung, veröffentlicht in den Proceedings of the National Academy of Sciences (Hung, H.-C. et al. Proc. Nat. Acad. Sci. USA doi 10.1073/pnas.0707304104 (2007).)


Nachrichtenüberblick: Kultur und Sprache

17. November 2007
  • Im iota-Blog von Chuanru liest man mehrsprachig etwas über eine Webseite, die sich mit Taiwanisch (der Sprache) befaßt. Soviel Einsatz, darüber auf italienisch zu schreiben wird mit einer Verlinkung belohnt (und ich muss mein italienisch aus den hinteren Winkeln meines Hirns hervorholen). blog che parla della lingua taiwanese

    stamattima ho scoperto un blog molto interessante nel quale si parla della lingua taiwanese, e l’autore secondo me non è taiwanese, però parla delle cose che neanche i tanti taiwanese non s’importa─la nostra lingua…perchè adesso tanti taiwanesi pensa solo studiare l’inglese. Grazie a questi stranieri che conoscono Taiwan forse più che noi per fare la gente conoscere le culture taiwanese in loro lingua…l’inglese, l’italiano, la polacca…

    Ecco il sito: Tailingua(Tâi-ôan-ōe ê Eng-gí kài-siāu, An introduction to Taiwanese) http://tailingua.com/

  • „Das echte Taiwan“ verspricht CCA Web site in English promotes Taiwanese culture, Taipei Times, 9. November 2007:

    English speakers around the world who are interested in Taiwanese culture, arts and entertainment have increased access to information through a Web site officially launched yesterday.

    Culture.tw, funded by the Council of Cultural Affairs (CCA) and run by the Central News Agency (CNA), aims to be the main Internet portal that „showcases the rich and colorful culture of Taiwan in English,“ Chief Editor of the site Miranda Loney told a press conference in Taipei yesterday.

    After more than a year of planning, culture.tw was launched quietly in July on a trial basis, council Vice Chairman Wu Chin-fa (吳錦發) said.

  • Von der 2007 World Hakka Culture Conference kommen einige Forderungen. Minister of the Council for Hakka Affairs Lee Yung-teh (李永得) will Hakka fördern, hier die Sprache: Council to push for new Hakka cultural regions, Taipei Times, 9. November 2007:

    More than 300 Hakka community leaders from 20 countries around the world attended the conference, council spokeswoman Huang Hsiao-yi (黃孝怡) said.

    „Without promotion or economic benefits attached to it, the Hakka language, will still be threatened by the dominant [Mandarin] language even if it becomes an official language,“ Lee told the Taipei Times in a telephone interview.

    The Cabinet has drafted a National Languages Development Law (國家語言發展法) that aims to give all languages spoken in Taiwan — Hakka, Hoklo, Mandarin and Aboriginal languages — official status.

    The draft bill was submitted to the legislature for review earlier this year but remain stalled in the legislature because of pan-blue objection, Lee said.

    „Setting up special Hakka cultural regions is one of our Hakka cultural development strategies,“ he said.

  • Die Musikzeitung the rockit bringt einen Artikel über die Indiependent-Musikszene in Taiwan. Es gibt wohl noch mehr Bands als die namenlose, die ich einmal hören musste, ausgeführt in ein Restaurant das ich nicht mochte (armselige westliche Imitatküchen) und mit gesellschaftlicher Aufgabe, die mir nicht gefiel (gewolltes Wohlgefallen bei künftigen Partnern darstellen). :] Sister City Salute: Taipei, Taiwan.
    Zitieren darf man den Artikel leider nicht, aber ich empfehle ihn dennoch, auch die Linkliste am Ende des Artikels. Danke robotactionboy.

Nachrichtenüberblick: Tourismus und Wirtschaft

9. November 2007
  • Wirtschaft zuerst: die europäische Wirtschaftskammer Taipei gemahnt Taiwan zu Reformen und noch weitergehender Deregulierung der Finanzmärkte, und zu einer politischen Verbesserung im Verhältnis zu Festlandschina. (In diesen Zeiten das Wahlkampfs werden da allerorten Positionen eingenommen.) Außerdem hätte man gerne noch mehr Wachstum und beschwört die dräuende Konkurrenz aus Südkorea, Hong Kong und Singapur: EU group urges gov’t to handle economy first, The China Post, 06. November 2007:

    The European Chamber of Commerce Taipei (ECCT) released yesterday its 2007-2008 Position Papers, titled „Time to Act: Roadmap to Renewed Prosperity,“ and urged presidential candidates from the ruling and opposition parties to address fundamental economic development issues that have been stalling for the last ten years under the different governments. […]
    „Taiwan is falling behind while Korea is taking over,“ he added, citing a recent survey that ranked Taiwan’s global competitiveness index behind South Korea’s in 2007. Last September, a World Bank study also showed that Singapore rates 1st for overall business-friendliness, while Taiwan ranks no more than 50th. […]
    Compared with South Korea, Singapore and Hong Kong, the maximum personal income tax in Taiwan is 40 percent, while 35 percent, 16 percent, and 17 percent respectively in all three Asian countries.

  • Spielmaschinen nach Kasino-Art stellt man auch in Taiwan her. Der Hersteller Astro hat jetzt die Lizenz erhalten, Geräte nach Spanien zu liefern: Taiwan maker Astro lands certification for AWP gaming machines in Spain, Digitimes, 09. November 2007:

    Astro, a Taiwan-based developer of arcade/casino gaming machines, on November 8 announced it has secured official certification in Spain for its Blackbeard AWP (amusement with prize) gaming machines and will begin shipments in small volumes to clients in the country by the end of 2007. Astro is the first recipient of such certification in Asia, the company emphasized.

    Blackbeard AWP is a screen-type arcade machine, usually placed at arcade centers, restaurants, bars, etc., Astro noted. There are an estimated 248,000 AWP machines in Spain currently, and only a small portion of them are screen-type models because the Spanish government only began to issue licenses for such models early this year, Astro indicated.

  • Touristisch ging es schon letzte Woche zu, diese Woche gibts eine programmatische Ergänzung. Wer nicht alleine in Taipei ist, der muss quasi unvermeidlich mit Begleitung auch zum Sonne-Mond-See fahren: Im Herzen Taiwans, wo die Sonne den Mond trifft. Spiegel Online, Fernweh, 09. November 2007:

    Lugang – Händchen haltend stehen Pärchen am Ufer und schauen aufs spiegelnde Wasser, im Schimmer der untergehenden Sonne flüstern Männer Heiratsanträge: Zum „Sonne-Mond-See“ zieht es die Verliebten und frisch Vermählten. Jedes zehnte Hochzeitspaar fährt zu diesem Ort, dessen Form im Norden dem chinesischen Schriftzeichen für Sonne ähnelt und im Süden dem Zeichen für den Mond. Doch nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg dorthin ist eine Reise wert. […]
    Von der hektischen Hauptstadt Taipeh im Norden sind es nur wenige Stunden Fahrt ins spärlich besiedelte Bergland zum „Sonne-Mond-See“. Die Strecke führt über Taichung und Nantou – vorbei an Reisfeldern und Bananenplantagen. Grund zur Eile gibt es nicht und so bleibt Zeit für Zwischenstopps – zum Beispiel am „Wu Wei Culture Tea House“ in Taichung, das seinen Besuchern Ruhe und Entspannung bieten will. […]

  • Etwas weiter abseits liegen die Dongsha-Inseln des Pratas Atoll, eine kleine Inselgruppe im südchinesischen Meer. Gewöhnliche Touristen verirren sich kaum hierher, aber das könnte sich ändern, wenn es zum siebenten taiwanesischen Nationalpark erklärt wird. Slice o‘ South China Sea Heaven I (東沙群島) Gefunden in Jeff’s Blog, 09. November 2007:

    Although Dongsha remains off limits to the casual visitor, being part of the documentary team gave me a reason to be there and a seat on the 1 1/2 hour, once-a-week flight from Kaohsiung City.

    Director Su (蘇志宗) was shooting material for a documentary on the Pratas scheduled for release in conjunction with a declaration of Dongsha Atoll and surrounding waters as Taiwan’s 7th National Park. The DVD was released this summer. The National Park, I believe, is still in the works.

    Dongsha Islet, the only part of the Atoll to break surface waters, is one of a number of islands along and around the China coast that has been garrisoned by the ROC military since the Nationalist (KMT) government, under Chiang Kai-shek, executed its „strategic withdrawal“ from the Chinese mainland in 1948/49. China’s new communist leaders lacked a navy to challenge ROC sovereignty offshore, and by the time they had acquired one faced other priorities (the Cold War, détente, maintaining the „status quo“ in Cross-Strait relations) that set ambitions to „liberate“ these scattered island outposts on the back burner.

Auch im unterdessen veröffentlichten zweiten Teil zu Dongsha gibts schöne Fotos zu sehen.


Chinesisches Geld modernisiert Bankensystem in Afrika

1. November 2007

In Afrika unterhalten drei Staaten echte diplomatische Beziehungen zu Taiwan: Burkina Faso, Swasiland und Gambia. Als afrikanische Länder sind sie, zumindest indirekt, auch von aggressiver volkschinesischer Finanz- und Entwicklungspolitik betroffen.

Man darf darauf aufmerksam machen, dass über viel Geld vieles entschieden wird, gerade auch in internationalen Beziehungen. Liberia und Tschad haben ihre Beziehungen bereits früher abgebrochen, wenn auch offiziell aus anderen Gründen. Derzeit wächst die chinesische Beteiligung an afrikanischen Banken, oder wie die Financial Times Deutschland heute in einem Dossier berichtet, „entern“ Chinesen derzeit Banken in Afrika:

Die Chinesen sind an den afrikanischen Banken interessiert, weil sie Gelder in den Bergbau- und Erdölsektor des Kontinents pumpen wollen. China ist auf Rohstoffe angewiesen, um seine Wirtschaft zu modernisieren. Die staatlich kontrollierte China Development Bank wird dem Kooperationsabkommen zufolge mit der United Bank for Africa Projekte in Nigeria finanzieren. China verfügt über riesige Kapitalvorräte, die die Volksrepublik weltweit anlegen will.

Die Zusammenarbeit kommt in einer Phase, in der die großen Banken des Kontinents auf Expansionskurs gehen. Die Zentralbank von Nigeria hatte 2004 eine ganze Reihe von Geldinstituten geschlossen, um den Finanzsektor zu stärken. Von 89 Banken blieben nur noch 25 übrig. Deren Aktienkurse haben in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt.

Die Banken profitieren vom kräftigen Wirtschaftswachstum, das der Öl- und Rohstoffboom vielen Ländern Afrikas beschert hat. Die First Bank, eines der führenden Institute Nigerias, führt bereits Gespräche mit der Ecobank in Togo über einen Zusammenschluss. Andere Großbanken des Landes haben Filialen in Ghana, Gambia und Sierra Leone geöffnet.

„Entern“ klingt nach Piraterie und feindlicher Übernahme. Ob die FTD das so gemeint hat? China steht nicht im Fokus unserer Nachrichten, aber diese Art von Finanzpolitik kann schwerwiegende Folgen haben. Die böse Ein-China-Politik, der auch Deutschland folgt, führt auch dazu, dass die sich konsolidierenden Finanzmärkte in Gambia, Burkina Faso und Swasiland von volkschinesischem Kapitel mitgetragen werden. Da darf man mißtrauisch sein, und sollte es auch. Schon in der Vergangenheit hat die Volksrepublik gezeigt, wie man es mit internationalen Beziehungen hält. Taiwan muss aus der Isolation.


Taiwans grünes Herz (NZZ)

1. November 2007

Über die Chinablätter gefunden: Taiwans grünes Herz, ein Artikel aus der NZZ. Darin heißt es:

Touristischer Augenschein auf einer Insel, die weiterhin im Schatten Chinas steht Obschon die Insel Taiwan sich international noch nicht als Feriendestination etabliert hat, wartet sie mit einem durchaus spannenden Kontrast auf zwischen dem emsigen Leben in den supermodernen Städten und dem ruhigen und beschaulichen Leben im grünen Hinterland.

So viel ist sicher: Das sattgrüne Taiwan ist kein China en miniature. Beim Vergleich mit dem Mutterland schneidet die Insel nämlich in vieler Hinsicht besser ab. Das Leben auf dem früher von den Portugiesen liebevoll «Ilha Formosa» genannten, 36 179 Quadratkilometer kleinen Eiland ist sauberer und ruhiger – obwohl Taiwan mit über 620 Einwohnern pro Quadratkilometer eine der weltweit höchsten Einwohnerdichten aufweist. Die von internationalen Touristen erst wenig besuchte Insel lässt sich in drei Regionen aufteilen: erstens die Westküstenebene, wo modernste Technologie Hand in Hand mit traditionellem Reisanbau und Fischzucht geht; zweitens die dramatischen Felsformationen der wilden Ostküste, die den aus dem Pazifik heranbrausenden Taifunen überlassen werden. Und dazwischen im Landesinnern, drittens, das ökologisch grüne Herz der Insel.

Ein schöner, wenn auch notwendigerweise unvollständiger Artikel. Man hätte noch so vieles mehr schreiben können… gerade letzte Woche zeigte leafgirl04 auf taidaexchange Fotos vom Rock Climbing at Longdong (龍洞), atemberaubend:

Felsen in Longdong, TaiwanFelsen und Brandung in Longdong, Taiwan

Die Natur ist vielerorts unberührt. Und an vielen Orten im Land sind wenige Westler unterwegs, so dass der Kontakt automatisch passiert. Für Pauschaltouristen und Reisebusse wird das nie ein großer Markt, aber hoffentlich kommt der Artikel dennoch bei Reiseveranstaltern und bei den Deutschen an, die bei „Asien“ immer gleich an „Thailand“ oder „Malediven“ denken, oder schlimmer noch „Hähnchen süß-sauer mit Ananas“.