Blauer Dildo mit Kondom

26. September 2007

Eine Erinnerung kommt, Taiwan, Abendnachrichten, Fernsehen im Vorlauf zum Wahlkampf 2004. Zu sehen: einige Vertreter der (blauen) KMT, die je nach politischer Entschiedenheit eine bestimmte Art der Vereinigung mit der Volksrepublik wollen. Entweder wollen sie „wieder zurück“, welche Regierungs- und Staatsform auch gerade gilt, oder aber sie wollen eine Wiedervereinigung nur so, dass die Volksrepublik ihre kommunistischen Manieren aufgibt und endlich sich dem demokratischen Taiwan anschließt. Das wird in der Presse diskutiert, regelmäßig vor den Wahlkämpfen. Für außenstehende wie mich kommt das meist abstrus rüber, weil echte Kontroversen kaum aufkommen und sich viele Argumente im Kreis drehen.
Ich gucke also Fernsehen, eine politische Diskussion oder Pressekonferenz. Auf dem Podium ein Tisch, Mikrofone und das alles. Bisher verstehe ich das meiste. Menschen sitzen am Tisch, dem Publikum zugewandt. Der Ton wird plötzlich hitzig.

Ohne Vorwarnung nimmt der Sprechende einen veritablen Dildo hervor und zieht ein Kondom drüber. „Wir wollen die Vereinigung“ bellt er, „aber sie muss sicher sein, damit nichts passiert!“

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Taiwan in die UN: Antrag Nummer 16 kommt bestimmt

25. September 2007

Das war wohl nichts vergangene Woche: Taiwans Aufnahmeantrag an die UN wurde erwartungsgemäß abgewiesen. Der Punkt der Mitgliedschaft für Taiwan wurde nicht in die Tagesordnung aufgenommen, auch wenn es vier Stunden gedauert hat, genau das zu entscheiden. Die Volksrepublik China kommentierte mit kräftigen Worten an den üblichen Stellen.

Wir können sicher sein, dass auch kommendes Jahr wieder ein Antrag gestellt wird, der 16. in Folge. Dann können sich mehr Menschen sich mit der schrägen Geschichte von 1971 befassen, als die Republik China den Platz für China räumen musste. Seit Resolution 2578 der UN-Vollversammlung (Resolution als PDF, dazu der deutsche und ausführlichere englische Wikipedia-Eintrag, und ein Kommentar mit Foto bei taiwandocuments.org) folgt man in der UN einer bösen Ein-China-Politik, die sonst von Staaten eingehalten wird, um die Wirtschaftsbeziehungen zu China nicht zu gefährden (Klartext: die Gewinne). (Ich fand noch eine sehr buschige Interpretation und Kommentierung hier.)

Dagegen hofft man auch an offizieller Stelle in der UN auf eine Diskussion der Resolution 2758 und seiner Implikation. Innenpolitisch kann die DPP jetzt betonen, dass man gehört wurde und sich weiter dem Wahlkampf und der Vorbereitung gegen Unbill widmen.


Presseschau zum Verhältnis China-Taiwan (2)

18. September 2007

Mehr Rhetorik aus allerlei Richtungen gabs zum alten Thema des angestrebten UN-Beitritts von Taiwan Anfang dieser Woche. Blogs, Zeitungen, Regierungen, alle geben ihres dazu. Hier eine Auswahl, vage ungeordnet:

  • International Herald Tribune: Chinese leadership faces fresh challenges from Hong Kong and Taiwan, 16. September 2007:

    On Saturday, the Taiwanese leader called on tens of thousands of supporters at a rally in the southern city of Kaohsiung to back the referendum, which is timed to coincide with the presidential poll next March. The opposition Kuomintang Party also mobilized tens of thousands Saturday at its own rally in the central city of Taichung, calling for a referendum on UN admission under Taiwan’s official name, the Republic of China, or any other „pragmatic“ name.

    Der bisher sympathischste Artikel zum Thema, differenziert dazu. Präsident Chen bleibt ja tatsächlich noch die Möglichkeit, nach dem Sieg der DPP nächstes Jahr, auf eine formelle Abstimmung zu verzichten. China manövert bereits herum, will Angst verbreiten und signalisiert wohl auch den USA, dass man keinen Spass verstehe. So kurz vor Olympia will man es nicht drauf ankommen lassen müssen, so als gutes Gastgeberland…

  • Ein anderer Präsident bloggt über die Demonstrationen vom Samstag in Taipei, wo die pan-grünen zu zehntausenden auf die Straße gingen. Hoteldevilart Hotelvilladeart, 17. September 2007:

    Zehntausende Taiwaner aus verschiedenen politischen Lagern demonstrierten auf zwei großen Kundgebungen in Kaohsiung und Taichung für den UN-Beitritt ihres Landes. Taiwan soll entweder unter dem offiziellen Landesnamen „Republik China“ oder eben als „Taiwan“ in die UN aufgenommen werden. Präsident Chen Shui-bian möchte die Taiwaner in einem Referendum darüber abstimmen lassen, ob das Land sich in Zukunft unter der Bezeichnung Taiwan um die Aufnahme in die UN bemühen soll. Die demokratische Insel vor der Küste Chinas startete zudem eine Werbekampagne, um in den westlichen Gesellschaften für Unterstützung in dieser Sache zu werben.

  • Taipei Times (von AFP übernommen): China protests US weapons sales to Taiwan, Dienstag 18. Septemer 2007

    China yesterday protested against proposed US$2.2 billion US weapons sales to Taiwan, urging Washington to cancel the deal and end its ties with the Taiwanese military.

    „The Chinese side strongly opposes the sales of weapons to Taiwan by the US government,“ a foreign ministry spokeswoman said. „This constitutes rude interference in China’s internal affairs. The Chinese side strongly protests against this and has raised solemn representations with the United States.“

    Hier gehts um den Seefernaufklärer Lockheed P-3C Orion, von dem ein Dutzend von den USA an Taiwan verkauft werden sollen. Taiwanstraße, Seeweg, U-Boote… verstanden? Das ist derselbe Flugzeugtyp, wenn auch in anderer Ausstattung, von dem damals April ein Exempkar 2001 den Chinesen unverhofft in die Hände gefallen ist. Die Kommunisten wissen um das verschobene Gleichgewicht, wenn Taiwan gleich 11 mehr davon hat.

  • Xinhua-Propaganda: Overseas Chinese continue to blast Taiwan referendum plan vom 18. September 2007 berichtet die Meinungen von pro-volksrepublikanischen Überseechinesen aus aller Welt. Man solle doch eine „nüchterne“ Entscheidung treffen, wenn es zur Volksabstimmung komme.

Alles geschenkt. Auch die Taiwanesen werden nicht nüchtern urteilen können, wenn sie wie jedes andere Volk auch schon nach einem Jahr vergessen haben, dass Zehntausende damals den Rücktritt Chen Shui-bians forderten. Nüchterner als wir hier „im Westen“ sind sie genausowenig, wenn sie nach der vierzehnten Ablehnung durch die UN es erneut versuchen. Aber so funktioniert die Politik, wenn sie demokratisch gehandhabt wird.


Presseschau zum Verhältnis China-Taiwan

13. September 2007

Historisch kann man viel sagen, aber das steht schon alles irgendwo. Spannender zu verfolgen ist die derzeitige Nachrichtenlage um die Anstrengungen Taiwans, bei der UN einen Antrag auf Aufnahme zu stellen, und zwar unter dem Namen Taiwan. Für die Volksrepublik China ist das eine dicke Provokation, aber hiesige Medien schweigen meist darüber.

Kontext bietet eine neulich veröffentlichte Umfrage, nach der 69% der befragten Taiwanesen sich selbst als Taiwanesen sehen (ergo nur eine deutliche Minderheit sich als Chinesen sieht), und 70% der Meinung sind, dass Taiwan ein unabhängiger Staat ist. Starker Tobak. Genaue Quellen gibt es nicht, außer dass die DPP diese Zahlen vorgelegt hat, aber politisch ist klar: es geht gegen den Präsidenschaftskandidaten der 2004 hauchfein unterlegenen Oppositionspartei KMT Ma Ying-jeou (馬英九), der einen eigenen Antrag auf den Namen „Taipei, China“ stellen würde. Das klingt artverwandt zu und ist kein politisches Distinktionskriterium gegenüber den volksrepublikanisch-festländischen Namen „Chinese Taipei“, der die Ein-China-Politik begleitet und in der UN ersetzt werden soll. Deswegen der ganze Schlagabtausch.

Das sind also die Vorbedingungen für den anstehenden Wahlkampf 2008. Hier eine kleine Medienlese in unsystematischen Auszügen.

  • Präsident Chen Shui-bian geht aufs Ganze und kann nicht zurück. Alles oder nichts. Chen bets his legacy by taking UN issue to Taiwan’s polls, 2. September 2007, International Herald Tribune:

    It may be President Chen Shui-bian’s last shot as a self-declared guardian of Taiwan’s democratic values: pushing for a referendum to underscore the island’s sovereignty and right to join the United Nations.

    Going to the Taiwanese electorate with a drive for UN membership has drawn sharp criticism from the United States for unnecessarily provoking China, which claims Taiwan as its territory and has vowed to resist moves that endow the self-governing, democratic island with even minimal trappings of sovereignty.

  • Noch hört China wohl auf die USA. Vor Olympia 2008 will Beijing wohl keinen internationalen Stress. China drops plans for vote on Taiwan, 6. September 2007 in den Taipei Times:

    The Democratic Progressive Party (DPP) and Chinese Nationalist Party (KMT) reacted positively yesterday to reports that the US had pressured China into dropping its proposal to initiate a UN vote on whether Taiwan is part of China.

  • Der Wahlkampf hat begonnen: China is Taiwan’s real enemy: Chen, 8. September 2007, Taipei Times:

    President Chen Shui-bian (陳水扁) yesterday defended Taiwan’s sovereignty as an independent country and said that China’s exertion of enormous pressure against Taiwan’s attempts to join the UN made it the nation’s real enemy.

  • Klar kann man dagegen was machen: Rhetorische Keulen schwingen und den Präsidenten versuchsweise deklassieren. Taiwanese hold candlelight party against Chen Shui-bian, 10. September 2007, staatliche volkschinesische Nachrichtenagentur Xinhua:

    Taiwanese protesters wearing red T-shirts held a candlelight party in Taipei Sunday evening to show opposition to the island’s leader Chen Shui-bian. […] A protest attended by hundreds of thousands of Taiwanese took place on the same day last year after some of Chen Shui-bian’s family members were implicated in a series of scandals.

    Der Steuerskandal vom letzten Jahr wird im Wahlkampf noch eine Rolle spielen, jede Wette.

  • Man wird deutlicher, weil man Angst hat, Demokratie unter Chinesen könnte Schule machen: Chen Shui-bian warned of ’serious consequences‘, 13. September 2007, Xinhua:

    Beijing yesterday warned Taiwan leader Chen Shui-bian of serious consequences for his reckless push for „independence“ and condemned him as a „schemer“ and „national traitor“. […] Li Weiyi, spokesman for the Taiwan Affairs Office of the State Council … told a regular press conference that Chen is „an out-and-out schemer“ and „a destroyer“ who will not hesitate to ruin peace and stability across the Taiwan Straits and in the Asia-Pacific region.

Bereits im Juni holte die Regierung (wozu der Präsident einer semipräsidialen Republik auch gehört) den deutschen Botschafter, Literaturprofessor und rhetorisch voll zurechnungsfähigen Hsieh Jhy-wey (謝志偉) zu sich. Man ahnte wohl schon, dass es nötig oder zumindest eine gute Idee sein würde. Nach fast acht Jahren im Amt will sich die Demokratische Fortschrittspartei (DPP) keinen Fall erlauben.

Auch an andere Stelle lässt sich alles weiterverfolgen. Wichtige Quellen für politische Information sind Taiwan News und Taiwandc.org.


Fette Gewinne bei Foxconn Taiwan

11. September 2007

Im noch laufenden Geschäftsjahr hat Foxconn bereits über 700 Milliarden NT$ Gewinn eingefahren. An Umsatz fielen im August rund 100 Milliarden NT$ an, das ist ein psychologisch wirksamer Schwellenwert und Schlagzeile wert. Foxconn ist das taiwanische Schwergewicht unter den Herstellern; die Jahreshauptversammlung wird im Fernsehen übertragen wie hierzulande einstmals die von Siemens, nur eben abendfüllend und nicht im Regionalfernsehen.

Foxconn ist der größte Hersteller von fast allem, was elektronisch ist. Mainboards, MP3-Player, … und die Firma ist wohl eine der größten OEMs, stellt also Produkte her, die dann den Namen des Auftraggebers tragen. Die iPods, Playstations und Intel-Mainboards sind berühmte Beispiele. Digitimes berichtet: Foxconn monthly revenues hit NT$100 billion mark for the first time in August:

Foxconn Electronics (Hon Hai Precision Industry) reported that its unconsolidated revenues grew over 40% on year to reach NT$100.37 billion (US$3.03 billion) in August, making it the first company in Taiwan to have its monthly figures surpass the NT$100 billion mark.

All product lines continued to register strong growth in August, with related PC products enjoying the highest growth rate, said company spokesman Edmund Ding.

For the first eight months of 2007, unconsolidated revenues totaled NT$707.59 billion, up 41.8% on year, the company said.

Sehr beeindruckend. 100 Milliarden NT$ entsprechen etwa 3 Milliarden US$, also rund 2.2 Milliarden Euro. Bis Jahresende werden es womöglich eine Größenordnung mehr sein.


Ang Lee, „Meisterregisseur“ von Venedig

10. September 2007

Die Filmfestspiele in Venedig brachten einen Überraschungserfolg für Taiwan: Regisseur Ang Lee gewann für „Lust, Caution“ den goldenen Löwen. Das Echo darauf ist gut durchmischt, zumal in der letzten Woche sein Film eher müde Reaktionen bewirkte. Anders war das 2005, als sein „Brokeback Mountain“ schon im Vorfeld ein heißer Kandidat für den 1. Preis zu sein schien. Und eigentlich ist es egal, ob die Sexszenen diesmal tatsächlich echt waren statt nur angedeutet und gespielt; viel Publicity ist sicher.

‚Slant Eye For The Round Eye‘ berichtet Lust, Caution wins Best Picture, Real Sex Scenes, Lee booed, and Asian Dominance?, Frood berichtet Lust, Caution: Pushing for More Media Openness in China?. Die Taipei Times sind heute ausführlicher, unter einem Titel der das nicht ahnen lässt: Political cinema prevails at Venice Letzte Woche noch enthielt sich Xinhua einer allzu deutlichen Wertung, schreiben sie diese Woche unter kräftiger Verbiegung vom „chinesischen Regisseur“ Ang Lee wins second Golden Lion at Venice Film Festival.


Erdbeben der Stärke 6.5 – alles in Ordnung

7. September 2007

Heute früh gab es ein Erdbeben in Taiwan, immerhin 6.5 auf der Richter-Skala. Im Hsinchu Science Park (HSP), Knotenpunkt der Halbleiter- und Elektronikindustrie, geht alles seinen gewohnten Gang, wie Digitimes berichtet:

The strong earthquake took place on September 7 at around 1:51am off the eastern coast of Taiwan 44 miles southeast of the city of Ilan, but companies located at the HSP did not report any critical impact from the quake, said the management authority of the HSP as cited by the Chinese-language Central News Agency (CNA). The quake registered as a magnitude 3 on the Ritcher scale in Hsinchu, the paper said.

Auch der britische Inquirer weiß sonst nichts zu berichten, es scheint niemand zu Schaden gekommen zu sein.