15. Juli 2008
Nachdem die Festlandschinesen aus der Volksrepublik China nun in das demokratische China fliegen dürfen, ohne einen mehrstündigen Umweg über Hong Kong zu machen, kommen erste Reaktionen in den Medien:
Culture Shock For Chinese Tourists And Taiwanese Hosts
Others, such as taxi driver Huang Li-kuo, are more tolerant. “The mainland tourists remind me of how we Taiwanese were when we first travelled abroad. We were also censured for talking loudly in public and haggling over prices,” he said.
Taiwan had already established itself as a regional economic powerhouse when the mainland began liberalising its economy in the 1970s and 1980s.
“That is why some Taiwanese still have a condescending attitude towards the mainlanders,” said Taiwanese Wang Hsing-ching, a well-known political commentator who pens columns under the pseudonym, Nanfang Shuo.
“But there has been a dramatic shift in attitude with the Chinese economy taking off. In fact, some Taiwanese have swung from one extreme to the other - from looking down on mainlanders to worshipping them as saviours of Taiwan’s economy,” he told The Straits Times.
[via linguafranca]
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1. Juli 2008
Nach dem Regierungswechsel in Taiwan (wir berichteten) ist es recht schnell zu binationalen Gesprächen gekommen, und beide Seiten haben wiederholt versichert, die Gespräche seien gut vorangekommen, etc etc. Nichts anderes hat man erwartet. Abtasten tut Not, aber nicht allzu öffentlich, und die Details erfährt ja niemand in der breiten Öffentlichkeit so genau. Aber es gibt viel zu lesen, und der Grundton ist positiv. Auch wir von taiwaninthenews schätzen, dass man sich unterhält, wie es scheint unverkrampft. Die Akteure sind natürlich, wie könnte es anders sein, nicht die jeweiligen Regierungen, sondern Chinas “Association for Relations Across the Taiwan Strait” (ARATS) und Taiwans “Straits Exchange Foundation” (SEF), die bereits seit 1991 existieren.
Ein parteiischer Artikel von Paul Lin (林保華) in den Taipei Times wirft ein anderes Licht auf die Gespräche und betont die Konsequenzen, die oftmals unerwähnt bleiben. Anlass ist ein pro-volkschinesischer Artikel vom 13. Juni 2008, der in der Zeitung Ming Pao (Hong Kong) erschienen ist, und der ebenfalls Partei ergreift. Paul Lin schreibt:
The value of sacrifices made by Taiwan in terms of sovereignty is already larger in value than China’s “big gifts,” which are really just tourists coming to Taiwan and chartered direct flights. Taiwan allowed tourists to go to China in the 1980s; and countless Taiwanese businessmen invested there after the Tiananmen Square Massacre, helping to save a Chinese economy that was starting to slip at that time. Now, there are millions of Taiwanese residing in China and Taiwanese have invested hundreds of billions of dollars there. Yet when a few thousand Chinese are set to come to Taiwan for a holiday, China calls it a “big gift.” Does this mean all that Taiwan has given China didn’t amount to anything? It is high time China cultivated some virtue and a little class and repay Taiwan instead.
Das halte ich für einen wichtigen Punkt, sowohl als beachtliches Gewicht in den Verhandlungen, und als taiwanisch-binnenpolitischen Sprengstoff: Ma hat die Wahlen gewonnen, indem er die Rolle der Wirtschaft betont hat. Es ist m.E. sein wichtigstes Pfand auf dem Weg zu politischen Ebenen, auf denen sich in ferner Zukunft einmal etwas tun könnte.
When China reorganized ARATS, the new position of executive vice chairman was established under the original positions of chairman and standing vice chairman. This meant that the SEF’s second-in-charge, secretary-general Kao Koong-lian (高孔廉), would have to deal with ARATS’ third-in-charge, vice president Sun Yafu (孫亞夫). The message from China is that Taiwan is merely a local government.
Was ist die kürzeste Zusammenfassung? China wahrt sein Gesicht und redet mit den “Abtrünnigen”, und verwaltet alles über die Regionalkommission, als wäre es eine Inlandsangelegenheit. Alle möglichen Ergebnisse bleiben kontrolliert und niedrigschwellig. Taiwan schluckt einige Kröten, stampft symbolisch die Taiwan-Briefmarken wieder ein und kann faktisch nur Touristen ins Land lassen, mit gemischen Gefühlen und Bordell- und Casinoverbot für Volkschinesen. Immerhin, kommenden Freitag sollen die Direktflüge beginnen. Da darf man auf kulturelle Folgen durchaus gespannt sein.
Von gleichberechtigen Gesprächen kann aber vorerst keine Rede sein. Da ist noch viel Spielraum, SEF und ARATS!
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2. Juni 2008
Heute früh um ca. 6:59 MESZ (0:59 Ortszeit) erschütterte ein Erdbeben den Norden Taiwans. Das Epizentrum lag in ca. 96km Tiefe, etwa 18km östlich der Stadt und erreichte Taipei noch mit Stärke 3, was wohl keine Gebäude einstürzen ließ, aber alles durchgeschüttelt hat.
Offizielle Information vom Erdbebenzentrum:

Außer dieser Meldung von AP ist bisher wenig im Internet zu finden: Strong earthquake hits northern Taiwan:
TAIPEI, Taiwan (AP) — Officials say a 6.0 magnitude earthquake has struck northern Taiwan, rattling buildings, but causing no damage or casualties.
The Central Weather Bureau says the quake struck 12 miles (20 kilometers) north of the northeastern city of Ilan at 12:59 a.m. Monday.
Ilan is about 44 miles east of the capital of Taipei.
The CWS says this latest quake is not related to the 6.4 magnitude temblor that struck in the Pacific Ocean off of southern Taiwan on Sunday.
Das erwähnte erste Beben vom Sonntag wird in diesem Blog beschrieben: Strong Earthquake rocks Taiwan, Philippines:
The Philippine Institute of Volcanology and Seismology put the quake about 76 kilometres west of the Batanes town of Basco.
The quake was felt strongly in Basco but was barely noticed in the northern provinces of the Philippines’ main island of Luzon, the institute said.
Batanes Governor Telesforo Castillejos said that some houses had cracks on their walls after the quake but there were no casualties reported so far.
There were some weaker aftershocks and residents in some coastal areas were told to evacuate their homes as a precautionary measure in case of a tsunami, he added.
“The quake was very strong,” he said on ABS-CBN television. “It jolted the whole island. It rocked the island almost for a whole minute.”
The quake was also felt in southern counties of Taiwan, where the Central Weather Bureau measured it at 6.8 on the Richter scale and at a depth of 46 kilometres.
Scheinen alle beide eher glimpflich ausgegangen zu sein.
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30. Mai 2008
Der Taiwan-Info-Blitz Nr. 170 ist erschienen. Weil die Herausgeber keine Webseite haben geben wir den Text hier wieder:
Anlässlich der Amtseinführung des neuen Präsidenten von Taiwan, Ma Ying-jeou, hat die Deutsch-Chinesische Gesellschaft e.V. - Freunde Taiwans eine Broschüre herausgegeben, die sich mit den Grundlagen und Perspektiven der neuen politischen Situation beschäftigt.
“Die Präsidentschaftswahlen 2008 in Taiwan: Innenpolitische und außenpolitische Implikationen” von Dr. Sebastian Bersick ist in der Reihe ’’Taiwan Dokumente’’ erschienen und kann in der Geschäftsstelle kostenfrei angefordert werden unter der E-Mail-Adresse dcg-berlin@t-online.de oder per Telefon unter 030 20361-440.
Dr. Sebastian Bersick stammt akademisch von der FU Berlin, arbeitet als Politikberater und Wissenschaftler und hat für das SHAN e.V. letztes Jahr ein Interview gegeben. (Das Internet ist auskunftsfreudig für so etwas.)
Die Kontaktadresse der Vereinigung ist taiwan-info-blitz@gmx.de, dort kann man sich für den Info-Blitz eintragen lassen (auch das geht per Anfrage).
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26. Mai 2008
Wie die Webseite heise.de berichtet startet dieser Tage die Computex, die zweitgrößte IT-Messe der Welt. Nicht im sonnigen Kalifornien, sondern in Taiwan. Das Online-Special ist lesenswert und informativ, gerade wenn man das Land nicht besonders gut kennt. Es sind allerlei Länder-, Reise und kulturelle Informationen gut aufbereitet und verlinkt. Dieser Artikel liefert dazu einige Hintergrundaspekte.
Das Special hilft Besuchern bei der Suche nach einer Unterkunft, bei der Anreise und beim Aufenthalt in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Hinweise für die touristische Erkundung des fernöstlichen Landes dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wer noch zu Computex reisen möchte, muss sich mit den Vorbereitungen allerdings sputen: Die besten Flugverbindungen dürften bereits ausgebucht sein, wer jetzt noch bucht, muss mit langen Wartezeiten auf internationalen Umsteigeflughäfen rechnen.
Bekannte und unbekannte Seiten des Landes zeigen unsere Bilderstrecken zu den Themen Taiwan, Taipeh sowie Essen und Trinken. Auch das neue Messegelände in Nangang stellen wir im Bild vor. Reisende, die Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben wollen, sollten zumindest die einfachsten Redewendungen kennen – wir stellen sie in unserem kleinen Sprachführer vor, die Aussprache lässt sich anhand kleiner Audio-Schnipsel trainieren.
Auch die Millionenstadt Taipeh hat einiges zu bieten, wenn auch der Wolkenkratzer Taipei 101 durch den Bau des Burj Dubai nicht mehr der welthöchste Wolkenkratzer ist. Besucher mit empfindlichen Mägen sollten auf jeden Fall unsere Übersicht über das Essen in Taiwan berücksichtigen.
Einen Besuch in Taiwan können wir auch abseits dieses Events empfehlen, das steht außer Frage.
Wer thematisch gar nichts mit all dem anfangen kann, dem sei exemplarisch dieser Artikel bei taiwaninthenews empfohlen und zudem Nachrichtensender a la N24 o.ä., oder Youtube: da läuft ein Werbespot für Taiwans IT-Industrie, mit einigen Zahlen über weltweite Marktführerschaft und dem sinnfälligen Spruch “You’ll find IT in Taiwan”. Und genau darum gehts auf der Messe. Nicht ohne Grund hat der neue Präsident Taiwans die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, die Wirtschaft zu stärken, das Statusbewusstsein ist enorm.
Für die Volksrepublik China, die wirtschaftlich mit Taiwan aufs engste verflochten ist, gilt v.a. der Status als billiges Produktionsland, das zudem noch direkt vor der Haustür liegt. Bei heute.de erschien neulich ein Interview mit Andreas Gursch vom Deutschen Wirtschaftsbüro in Taipeh, das ganz gut erläutert, wie stark Taiwans Wirtschaft und wie groß ihre Strahlkraft in Asien ist (wir berichteten). Was im Interview nicht erwähnt wird, sind Taiwans Exportbeschränkungen für Hightech-Produkte - es darf also nicht alles auswärts produziert werden. Auch hier fürchtet man chinesische Copycats und ungewollten Wissenstransfer, und fördert massiv innovative Forschung und Entwicklung, um Brain Drain klein- und Innovationen im Land zu halten. Da erfüllt es mit Genugtuung, dass sogar der koreanische Dauerkonkurrent Samsung Flachbildschirme in Taiwan fertigen lässt und die VR China lahm verkündet, man wolle mehr LCD-Panel-Fabriken ins Land holen.
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21. Mai 2008
In den Taipei Times war bereits Ende vergangener Woche ein Editorial abgedruckt, in dem der unpolitische Charakter der Erdbebenhilfe für China erwähnt wurde, nicht ohne Spitzen gegen die Volksrepublik China: Taiwan gives with an open heart
In the spirit of humanitarianism, the government has expressed its condolences and offered assistance, with Premier Chang Chun-hsiung (張俊雄) on Tuesday announcing that Taipei would “provide all necessary resources” to help the Chinese government with relief work, which could include rescue teams, medical assistance and donations for reconstruction.
The same day, President Chen Shui-bian (陳水扁) called on the public to give generously and contribute to relief and reconstruction efforts.
The government announced yesterday a cash donation of NT$700 million (US$22.6 million) and NT$100 million in rice, adding it would seek to collect NT$1.2 billion in donations from the private sector.
Taipei’s generosity should be acknowledged as it appears to be free of the politicization that characterized Beijing’s “help” when it sent token aid to Taiwan after the catastrophic 921 Earthquake nine years ago.
Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft - Freunde Taiwans e.V. (ohne Internetseite) aus Berlin veröffentlichte heute ihren 168. “Taiwan-Blitz”, der auf das Erdbeben eingeht und über die Hilfeleistungen Taiwans berichtet:
Taiwan leistet Hilfe für Erdbebenopfer in China
Taiwans Regierung, Privatwirtschaft und Bevölkerung haben mit einer Welle von Hilfsbereitschaft auf das verheerende Beben, das die Provinz Sichuan erschüttert hat, reagiert.
Im Erdbebengebiet befanden sich auch 2.897 taiwanische Touristen, von denen nur ein einziger ums Leben kam. Die übrigen Touristen sind inzwischen mit Unterstützung der chinesischen Seite wohlbehalten nach Taiwan zurückgekehrt.
Am Mittwoch, dem 14. Mai 2008, hatte Taiwans Premierminister, Chang Chu-hsiung, die Entscheidung der taiwanischen Regierung bekannt gegeben, umgerechnet fast 42 Millionen Euro, für die Opfer des Erdbebens zu spenden.
Chen Min-tong, der Vorsitzende des Rates für Festlandsangelegenheiten, erklärte in Taipeh in einem detaillierten Bericht, dass zunächst umgerechnet 14,6 Millionen Euro Bargeld zusammen mit Lebensmitteln im Wert von 2,1 Millionen Euro, beides aus der öffentlichen Hand, über das nationale Rote Kreuz und die in Peking ansässige Gesellschaft für Beziehungen über die Taiwan-Strasse an die VR China gegeben werden sollen.
Die führenden Wohlfahrtsorganisationen in Taiwan, darunter die buddhistischen Stiftungen Tzu Chi, Ling Jiou Mountain und Fo Guang Shan sowie das Rote Kreuz der Republik China hatten bereits 24 Stunden nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe in der VR China mit ihren Spenden und Hilfsmaßnahmen begonnen. Mit außerplanmäßigen Charterflügen der China Airlines wurden mehr als 150 Tonnen Lebensmittel, Zelte, Schlafsäcke und Leichensäcke nach Sichuan geflogen. Allein die Stadt Taipeh entsandte zwei Rettungstrupps nach Sichuan. Bei einem großen von der China Times unter Mitwirkung von zahlreichen bekannten Künstlern und Schauspielern veranstalteten Benefiz-Konzert, bei dem auch der designierte Präsident Ma Ying-jeou und seine Frau anwesend waren, kamen am 18. Mai weitere umgerechnet etwa 4,7 Millionen Euro an Spenden zusammen.
Taiwan, das selbst häufig von Erdbeben betroffen ist, hat hoch ausgebildete Spezialisten, die in China wertvolle Arbeit leisten können. Bei einem großen Erdbeben am 21. September 2002 in Taiwan leisteten viele ausländische Rettungsmannschaften, auch aus Deutschland, Hilfe. Taiwan hat diese Art der schnellen Hilfeleistung sehr geschätzt. Im Rahmen von humanitären Aktionen zögert Taiwan daher nicht, seine Hilfe anzubieten, sei es in Burma oder in China.
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20. Mai 2008
Taiwans im März gewählter Präsident Ma Ying-jeou (馬英九, KMT) wird heute in Taipei vereidigt. Unter großer Beteiligung v.a. us-amerikanischer Auslandschinesen wird erwartet, dass er sich auf den Konsens von 1992 beruft und Diskussionen über eine Vereinigung mit China “nicht in unserer Lebenszeit” ankündigt. Die Taipei Times berichten:
Ma yesterday described his frame of mind on the eve of his inauguration as like “treading on thin ice and standing upon the edge of an abyss.” Ma said he would remain vigilant and alert after taking the helm. [...]
The Liberty Times has learned that in Ma’s inaugural speech today, he is likely to urge Beijing to resume bilateral negotiations under the “1992 consensus,” and propose reconciliation and detente.
Ma’s speech is expected to emphasize that the cross-strait status quo must be maintained under the constitutional framework of the Republic of China.
Ma is expected to reiterate his proposal of “no unification, no independence, no military force.”
Der alte Präsident Chen Shui-bian (陳水扁) wird nicht an der Zeremonie teilnehmen. Er ist jetzt nicht mehr immun, und das Verfahren wegen Korruption wird demnächst beginnen. Es wurden wohl heikle Dokumente bis jetzt zurückgehalten. Die BBC berichtet: Taiwan ex-leader faces graft case:
Taiwanese prosecutors have announced they are mounting a corruption inquiry against former President Chen Shui-bian.
The move came just after Mr Chen was formally replaced by Ma Ying-jeou, thus losing his presidential immunity.
Prosecutors named the 57-year-old as a suspect in an embezzlement case involving some $450,000.
His wife, Wu Shu-chen, is already on trial in the same case, on charges of corruption and forgery.
Zeitgleich mit der Zeremonie findet eine Protestkundgebung gegen eine mögliche Vereinigung mit der Volksrepublik statt.
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25. März 2008
Die “Deutsch-Chinesische Gesellschaft e.V. - Freunde Taiwans” (leider ohne Internetseite) liefert im unregelmäßig erscheinenden “Taiwan-Info-Blitz” Nr. 163 das offizielle amtliche Wahlergebnis zur Wahl vom letzten Samstag. Wir erlauben uns die Mail hier wiederzugeben.
Kandidaten / Partei : Stimmen / Stimmenanteil
Ma Ying-jeou und Vincent C. Siew / Kuomindang (KMT): 7.658.724 / 58,45 %
Frank Chang-ting Hsieh und Su Tseng-chang / Demokratisch-progressive Partei (DPP): 5.445.239 / 41,55 %
Wahlberechtigt waren 17.321.622 Personen, die Wahlbeteiligung lag bei 76,33 %.
Damit ist Herr Ma zum Präsidenten der Republik China (Taiwan) und Herr Siew zum Vizepräsidenten gewählt. Der Amtsantritt ist am 20. Mai.
Außerdem konnte in Verbindung mit den Wahlen in zwei Referenden abgestimmt werden. Die Frage im ersten (von der regierenden Partei DPP initiierten) Referendum an die Wähler lautete, ob sie einen Beitritt zu den Vereinten Nationen unter dem Namen Taiwan unterstützen. An diesem Referendum beteiligten sich 35,82% (6.201.677 Wähler). Davon waren 94,01 % dafür.
Im zweiten (von der Oppositionspartei KMT initiierten) Referendum lautete die an die Wähler gestellte Frage, ob sie eine Wiederaufnahme der Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen unter dem Namen Republik China, Taiwan oder einer anderen angemessenen Bezeichnung befürworten. An diesem Referendum beteiligten sich 35,74 % (6.187.118 Wähler). Davon waren 87,27 % dafür.
Vom Referendumsgesetz ist für einen einzelnen Referendumsantrag eine Mindestbeteiligung von 50 % der für die Referenden zugelassenen Wahlberechtigten vorgeschrieben. Weil folglich keines der beiden Referenden die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, wurden beide abgelehnt.
Weitere Informationen zum Wahlergebnis können hier abgefragt werden:
http://www.cec.gov.tw (in Chinesisch) bzw. http://www.gio.gov.tw/elect2008/ und http://vote2008-3.nat.gov.tw/en (in Englisch)
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22. März 2008
In Ermangelung einer einmütigen und entschiedenen Position berichtet dieses Blog mit einem Nachrichtenüberblick über die Präsidentschaftswahl in der Republik China. (Unser schwach bewertetes Ziel, keine KMT-Monokultur zu erhalten, war von vornherein unrealistisch.) Freuen wir uns also über die Aussichten, die für dieses Jahr einen Krieg der Volkschinesen gegen Taiwan unwahrscheinlicher machen.
- Ausführlicher Bericht in der Tagesschau:
Der Oppositionelle Ma hat die Präsidentenwahl auf Taiwan mit deutlichem Abstand gewonnen. Der Kandidat der Kuomintang hatte sich im Wahlkampf für eine deutliche Annäherung an China ausgesprochen, auch um die wirtschaftliche Entwicklung der Insel zu fördern. …
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters machte Ma den Beginn von formellen Friedensgesprächen mit China davon abhängig, dass Peking die auf Taiwan gerichteten Raketen abrüstet.
- Spiegel Online: Oppositionskandidat Ma gewinnt Präsidentenwahl
Die Präsidentenwahl auf der Insel galt als Richtungsentscheidung über das künftige Verhältnis zu Peking. Sowohl Ma als auch Hsieh haben angekündigt, die Beziehungen zu China zu entspannen. Während Ma einen Friedensvertrag mit Peking und Verhandlungen über einen gemeinsamen Markt anstrebt, trat Hsieh für eine zurückhaltendere Annäherung ein. Beide Kandidaten befürworteten eine Abkehr von der strikten Abgrenzungspolitik des DPP-Politikers Chen Shui-bian, der seit 2000 regierte und eine förmliche Unabhängigkeitserklärung anstrebte.
In den Umfragen hatte Ma lange Zeit in Führung gelegen. In den letzten Tagen des Wahlkampfs stellte sich Hsieh auf die Seite der Protestbewegung in Tibet und konnte damit seinen Abstand in den Umfragen verringern.
- New York Times: Taiwan Elects Leader Who Seeks Closer Mainland Ties
- Life in Motion: Taiwanese are officially sane again
As of this writing, Taiwan has elected Ma Yingjiu to become the third elected leader of Taiwan against the pro-war candidate Frank Hsieh. Although the issues of Tibet and the United Nations were made into key issues by the pro-war and pro-independence camps, it was the economy that became the main issue in this election. The legislative elections in the early part of the year had already brought a 2/3rds majority to the Kuomintang and this recent presidential election has brought them the executive branch.
Many non-Chinese expats often made delusional claims that Frank Hsieh was going to easily triumph over the evil Chinese Ma Yingjiu in the 2008 Taiwan presidential election. Most of this premature analysis was on the basis of slanted English-language reports from the corporate media or from DPP-affiliated publications like the Taipei Times. Some of these expats are simply siding with these groups because they bought into the romanticised ideals of Taiwanese independence without understanding the cultural nuances and realities behind it.
- Netzeitung: Wahlgewinner verspricht Annäherung an China
- FAZ: Oppositionskandidat gewinnt in Taiwan
- FTD: Taiwanesen wählen die Wende
- Peking Duck: Taiwan Votes 2008 (2)
Zu guter letzt: die Deutsche Welle hat einen Kommentar, der selten deutlich und erläuternd zugleich ist.
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18. März 2008
Ist ja klar: so kurz vor der Präsidentschaftswahl schwingt wieder etwas saisonale Rhetorik vom volkschinesischen Festland herüber in die Republik China auf Taiwan. Diesmal liest sich das so:
China’s premier tried to woo rival Taiwan with poetry and business deals Tuesday but urged Taiwanese voters to reject a referendum on whether the island should join the United Nations, warning that tensions would rise if the bid succeeds.
Premier Wen Jiabao said approval of the referendum that will accompany Taiwan’s presidential election this Saturday could aggravate the already tense ties between China and Taiwan.
Zitiert wird die Propagandamaschine Xinhua, und die Nachricht über Associated Press verbreitet. Die Warnung braucht diesmal keine besonderen Schlagwörter, da die Ereignisse in Tibet gegenwärtig sind. Beachtenswert ist aber die von der Presseagentur gewählte Formulierung des Rivalen Taiwans. Bei der engen wirtschaftlichen Verflechtung und politischen Verschiedenheit der beiden Länder ist das eine besondere Erwähnung wert.
(via China Digital Times)
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