Politische Demonstration mit Hunderttausenden

28. Oktober 2008

Was deutschsprachige Medien über Taiwan berichten, stellt Blickpunkt Taiwan immer wieder schön zusammen. Was in der Berichterstattung generell zu kurz kommt sind innenpolitische Themen – hüben wie drüben von wenig Interesse. In jeder Demokratie gibt es aber immer genügend Stoff für Inlandsnachrichten, zumal wenn 200′000 bis 300′000 Menschen demonstrieren gehen.

Am 25.10. gingen in Taipei einige Hunderttausend Menschen auf die Straße, um gegen die Politik des Präsidenten Ma Ying-yeo zu demonstrieren; insbesondere seine gefühlte Annäherung an das kommunistische Festlandschina stößt der Opposition sauer auf. Alternative Begründungen sprechen von einem anderen “heimlichen Thema” der Demonstration, nämlich dem Machtkampf zwischen Bian-Befürwortern und Bian-Gegnern, oder ganz anders gelagert. Der Ort der Demonstration war gut gewählt, siehe dieses Foto: das breite Gebäude hinten rechts ist der Präsidentenpalast.

Hunderttausende Menschen demonstrieren auf der Straße in Taipei

Hunderttausende Menschen auf der Straße in Taipei

Der frühere Präsident Taiwans, Chen Shui-bian (陳水扁) nahm an der Demonstration teil, mit ihm Teile der Führungsriege. Wer die politischen Farben Taiwans kennt weiß also, dass hier v.a. “Grün” gegen “Blau” demonstriert hat. Und die gewohnt emotionalen Geschmäcker taiwanischer politischer Massen fängt ein Artikel der Taipei Times gut ein; das brauchen wir nicht zu wiederholen.

Besonders belustigend für den Außenseiter ist das grüne (sic!) Laserlicht, das anlässlich der Demonstration auf den Präsidentenpalast projeziert wurde; offenbar war der Abstand doch nicht groß genug. Der Privatsender TVBS hat es eingefangen:

Pikante Laserprojektion auf dem Präsidentenpalast

Pikante Laserprojektion auf dem Präsidentenpalast

(Das mit dem animierten Bild klappt hier wohl nicht so richtig.) Das Wort ist 無能: “inkompetent” und “impotent” und spricht sich wúnéng. Schroffer Tonfall jedenfalls; hier läßt man keinen Zweifel was man von der Kompetenz des anderen hält.

Hierzulande hätte man kaum den Schneid, so kräftige Worte in schriftlicher Form zu wählen, denken wir. Oder man müsste sofort zurückrudern am Tag danach. Vielleicht ist das der Grund, warum die deutsche Opposition in ausländischen Medien kaum zur Sprache kommt?


Peking für Taipei wie Moskau für Tallinn?

16. Oktober 2008

Bei der Peking Duck fand ich einen Artikel, den Richard von Bill Stimpson zitiert – Dreams of Taiwan. Dort wird der Vergleich aus der Überschrift gemacht. Das ist Stoff für Utopien.
Lesenswert ist es allemal, auch wenn taiwaninthenews nicht geschlossen mitgehen würde – dass man die formale Unabhängigkeit forcieren müsste. Solange die Taiwaner entscheiden können oder nicht entscheiden wollen was passiert… Mit hypothetischen Annäherungen an das Thema kann man aber auch einige der groben Kommentare abperlen lassen – und das eine oder andere Argument mitnehmen.


Olympia, Taiwan und Burma

27. August 2008

Wer die Schlußfeier der 29. Olympischen Spiele im ZDF gesehen hat mag es mitbekommen haben: eher am Anfang der Nationen verabschiedete sich Taiwan, und die Kommentatoren sprechen gefühlt minutenlang über Taiwan, benennen die Lage in der internationale Politik und das Verbot der taiwanesischen Flagge in der Volksrepublik China. Bei der Aufzählung der Eigenschaften fehlte uns etwas das Schlagwort “Demokratie”, das einen kräftigen Kontrast zum Gastgeberland aufgespannt hätte, aber allzu kleinlich wollen wir nicht sein. Die Kommentare waren gut in Ordnung, kamen zur rechten Zeit, und haben womöglich den einen oder anderen Zuschauer darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Nachschlagen lohnt. Danke ZDF!

Hier funktioniert die Mediathek nicht, aber man kann im Prinzip die Übertragung der Abschlußfeier noch einmal angucken, hier: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/569154?inPopup=true. Wenn das inklusive Kommentar ist dann mal aufmerksam die ersten paar Minuten verfolgen.

Was uns entgangen war: offenbar wurde verschiedentlich die burmesische Flagge verwendet und von Taiwan verwendet – weil sie recht ähnlich sieht. Farbgebung und Aufbau sind praktisch gleich, nur das weiße “Ornament” im blauen Feld links oben ist anders: statt der republikanischen Sonne (Taiwan) sind einige Symbole Burmas zu sehen. Mit etwas Abstand oder schlechtem Empfang hat man so geschickt das Verbot umgangen.

Die Spiele selber haben wir kaum verfolgt, von den von Zhang Yimou spektakulär inszenierten Ein- und Ausgangsfeiern abgesehen. Wir wissen aber den Medaillenspiegel dank des Internets nachzuschlagen: Taiwan, das entwürdigenderweise als Chinese Taipei antreten muss, belegt Rang 80, mit 4 bronzemedaillen. Die Schweiz ist 34., und Deutschland immerhin 5. Alle Achtung. Bei der Überzahl volkschinesischer AthletInnen ist das ganz ordentlich.
In den ersten Tagen der Spiele haben wir allerdings Chen Wei-Ling zugesehen, die im Gewichtheben noch versucht hatte, den politischen Konflikt durch mehr Gewicht umzukehren und mehr zu reißen als die Goldmedaillengewinnerin Chen Xiexia (VR China). Die Niedergeschlagenheit war ihr anzusehen.


Veranstaltung: Lesung mit Ilka Schneider am 4. September

27. August 2008

Im Kultur-Café Quchnia in Berlin findet am Donnerstag, dem 4. September 2008 eine Lesung mit Ilka Schneider statt, Titel: “Zwischen Geistern und Gigabytes – Abenteuer Alltag in Taiwan”. Das gleichnamige Buch ist praktisch das einzige unterhaltsame und lesenswerte aktuelle Buch über Taiwan, das man derzeit auf deutsch kaufen kann, so der Text. Wir kannten weder das Buch noch die Autorin, es sei uns verziehen.

Wie man in ihrem (kürzlich gestarteten) Blog und der Homepage nachlesen kann, scheint die Autorin vielfache Interessen zu verfolgen, und das liest sich dann einsichtsvoll etwa so:

Ich möchte mal so sagen: wenn man 40 ist und drei bis vier Jobs macht, um gleichzeitig seinen Berufungen folgen zu können, oder was man eben dafür hält, wenn man dann noch Chinesisch studiert, dieses Studium aber nicht abschließen kann, weil für das erforderliche Zweitfach Zeit und Lust fehlen, wenn das alles so ist, muss die Frage erlaubt sein, warum man dann doch eine Zwischenprüfung ablegen will. Noch dazu nachdem der Wissenszenit wegen anderweitiger Beschäftigung (siehe oben) schon erheblich überschritten wurde. Wenn man dann noch „man“ durch „ich“ ersetzt, wird die Frage extrem aufdringlich, also lass ich das besser. Aber um mir selber nicht so ein Zensurodeur zuzulegen, lasse ich die Frage selber natürlich zu. Fragen kostet ja nichts. Wenn man nicht gerade auf einer Hotline eine Frage stellen will. Aber hier: ganz kostenfrei. Antwort habe ich trotzdem nicht. Das ist natürlich dann erfreulich, dass man dafür nicht auch noch Geld ausgegeben hat. Man muss auch nicht jede Frage beantworten, nur weil es erlaubt ist sie zu stellen. Obwohl das schwer ist nicht zu antworten.

Klingt als würden auch taiwaninthenews die Lesung besuchen wollen. Solche inneren Stimmen haben wir doch alle. :)

Veranstalter ist die Taipeh Vertretung, deswegen gibt es die Ankündigung nirgendwo online. Man bittet auf dem Flyer um Rückantwort bis Montag, den 1.9. entweder per Telefon 030 20361400 oder Fax 030 20361410, oder immerhin per Mail an pressetaipeh-berlin@gmx.de.

Das Café Quchnia liegt zentral in Berlin-Mitte, Markgrafenstraße 35 und ist hervorragend mit dem ÖPNV erreichbar.


Kulturschocks bei Taiwanesen und Chinesen

15. Juli 2008

Nachdem die Festlandschinesen aus der Volksrepublik China nun in das demokratische China fliegen dürfen, ohne einen mehrstündigen Umweg über Hong Kong zu machen, kommen erste Reaktionen in den Medien:
Culture Shock For Chinese Tourists And Taiwanese Hosts

Others, such as taxi driver Huang Li-kuo, are more tolerant. “The mainland tourists remind me of how we Taiwanese were when we first travelled abroad. We were also censured for talking loudly in public and haggling over prices,” he said.

Taiwan had already established itself as a regional economic powerhouse when the mainland began liberalising its economy in the 1970s and 1980s.

“That is why some Taiwanese still have a condescending attitude towards the mainlanders,” said Taiwanese Wang Hsing-ching, a well-known political commentator who pens columns under the pseudonym, Nanfang Shuo.

“But there has been a dramatic shift in attitude with the Chinese economy taking off. In fact, some Taiwanese have swung from one extreme to the other – from looking down on mainlanders to worshipping them as saviours of Taiwan’s economy,” he told The Straits Times.

[via linguafranca]


Da ist noch Luft, SEF und ARATS

1. Juli 2008

Nach dem Regierungswechsel in Taiwan (wir berichteten) ist es recht schnell zu binationalen Gesprächen gekommen, und beide Seiten haben wiederholt versichert, die Gespräche seien gut vorangekommen, etc etc. Nichts anderes hat man erwartet. Abtasten tut Not, aber nicht allzu öffentlich, und die Details erfährt ja niemand in der breiten Öffentlichkeit so genau. Aber es gibt viel zu lesen, und der Grundton ist positiv. Auch wir von taiwaninthenews schätzen, dass man sich unterhält, wie es scheint unverkrampft. Die Akteure sind natürlich, wie könnte es anders sein, nicht die jeweiligen Regierungen, sondern Chinas “Association for Relations Across the Taiwan Strait” (ARATS) und Taiwans “Straits Exchange Foundation” (SEF), die bereits seit 1991 existieren.

Ein parteiischer Artikel von Paul Lin (林保華) in den Taipei Times wirft ein anderes Licht auf die Gespräche und betont die Konsequenzen, die oftmals unerwähnt bleiben. Anlass ist ein pro-volkschinesischer Artikel vom 13. Juni 2008, der in der Zeitung Ming Pao (Hong Kong) erschienen ist, und der ebenfalls Partei ergreift. Paul Lin schreibt:

The value of sacrifices made by Taiwan in terms of sovereignty is already larger in value than China’s “big gifts,” which are really just tourists coming to Taiwan and chartered direct flights. Taiwan allowed tourists to go to China in the 1980s; and countless Taiwanese businessmen invested there after the Tiananmen Square Massacre, helping to save a Chinese economy that was starting to slip at that time. Now, there are millions of Taiwanese residing in China and Taiwanese have invested hundreds of billions of dollars there. Yet when a few thousand Chinese are set to come to Taiwan for a holiday, China calls it a “big gift.” Does this mean all that Taiwan has given China didn’t amount to anything? It is high time China cultivated some virtue and a little class and repay Taiwan instead.

Das halte ich für einen wichtigen Punkt, sowohl als beachtliches Gewicht in den Verhandlungen, und als taiwanisch-binnenpolitischen Sprengstoff: Ma hat die Wahlen gewonnen, indem er die Rolle der Wirtschaft betont hat. Es ist m.E. sein wichtigstes Pfand auf dem Weg zu politischen Ebenen, auf denen sich in ferner Zukunft einmal etwas tun könnte.

When China reorganized ARATS, the new position of executive vice chairman was established under the original positions of chairman and standing vice chairman. This meant that the SEF’s second-in-charge, secretary-general Kao Koong-lian (高孔廉), would have to deal with ARATS’ third-in-charge, vice president Sun Yafu (孫亞夫). The message from China is that Taiwan is merely a local government.

Was ist die kürzeste Zusammenfassung? China wahrt sein Gesicht und redet mit den “Abtrünnigen”, und verwaltet alles über die Regionalkommission, als wäre es eine Inlandsangelegenheit. Alle möglichen Ergebnisse bleiben kontrolliert und niedrigschwellig. Taiwan schluckt einige Kröten, stampft symbolisch die Taiwan-Briefmarken wieder ein und kann faktisch nur Touristen ins Land lassen, mit gemischen Gefühlen und Bordell- und Casinoverbot für Volkschinesen. Immerhin, kommenden Freitag sollen die Direktflüge beginnen. Da darf man auf kulturelle Folgen durchaus gespannt sein.

Von gleichberechtigen Gesprächen kann aber vorerst keine Rede sein. Da ist noch viel Spielraum, SEF und ARATS!


Erdbeben der Stärke 6.0 in Taiwan

2. Juni 2008

Heute früh um ca. 6:59 MESZ (0:59 Ortszeit) erschütterte ein Erdbeben den Norden Taiwans. Das Epizentrum lag in ca. 96km Tiefe, etwa 18km östlich der Stadt und erreichte Taipei noch mit Stärke 3, was wohl keine Gebäude einstürzen ließ, aber alles durchgeschüttelt hat.

Offizielle Information vom Erdbebenzentrum:

Offizielle Information zum Erdbeben Taiwan 2. Juni 2008

Außer dieser Meldung von AP ist bisher wenig im Internet zu finden: Strong earthquake hits northern Taiwan:

TAIPEI, Taiwan (AP) — Officials say a 6.0 magnitude earthquake has struck northern Taiwan, rattling buildings, but causing no damage or casualties.

The Central Weather Bureau says the quake struck 12 miles (20 kilometers) north of the northeastern city of Ilan at 12:59 a.m. Monday.

Ilan is about 44 miles east of the capital of Taipei.

The CWS says this latest quake is not related to the 6.4 magnitude temblor that struck in the Pacific Ocean off of southern Taiwan on Sunday.

Das erwähnte erste Beben vom Sonntag wird in diesem Blog beschrieben: Strong Earthquake rocks Taiwan, Philippines:

The Philippine Institute of Volcanology and Seismology put the quake about 76 kilometres west of the Batanes town of Basco.

The quake was felt strongly in Basco but was barely noticed in the northern provinces of the Philippines’ main island of Luzon, the institute said.

Batanes Governor Telesforo Castillejos said that some houses had cracks on their walls after the quake but there were no casualties reported so far.

There were some weaker aftershocks and residents in some coastal areas were told to evacuate their homes as a precautionary measure in case of a tsunami, he added.

“The quake was very strong,” he said on ABS-CBN television. “It jolted the whole island. It rocked the island almost for a whole minute.”

The quake was also felt in southern counties of Taiwan, where the Central Weather Bureau measured it at 6.8 on the Richter scale and at a depth of 46 kilometres.

Scheinen alle beide eher glimpflich ausgegangen zu sein.


Infomaterial: Grundlagen und Perspektiven nach dem Regierungswechsel

30. Mai 2008

Der Taiwan-Info-Blitz Nr. 170 ist erschienen. Weil die Herausgeber keine Webseite haben geben wir den Text hier wieder:

Anlässlich der Amtseinführung des neuen Präsidenten von Taiwan, Ma Ying-jeou, hat die Deutsch-Chinesische Gesellschaft e.V. – Freunde Taiwans eine Broschüre herausgegeben, die sich mit den Grundlagen und Perspektiven der neuen politischen Situation beschäftigt.

“Die Präsidentschaftswahlen 2008 in Taiwan: Innenpolitische und außenpolitische Implikationen” von Dr. Sebastian Bersick ist in der Reihe ’’Taiwan Dokumente’’ erschienen und kann in der Geschäftsstelle kostenfrei angefordert werden unter der E-Mail-Adresse dcg-berlin@t-online.de oder per Telefon unter 030 20361-440.

Dr. Sebastian Bersick stammt akademisch von der FU Berlin, arbeitet als Politikberater und Wissenschaftler und hat für das SHAN e.V. letztes Jahr ein Interview gegeben. (Das Internet ist auskunftsfreudig für so etwas.)

Die Kontaktadresse der Vereinigung ist taiwan-info-blitz@gmx.de, dort kann man sich für den Info-Blitz eintragen lassen (auch das geht per Anfrage).


Messe “Computex” startet, Standbein für Taiwans Wirtschaft

26. Mai 2008

Wie die Webseite heise.de berichtet startet dieser Tage die Computex, die zweitgrößte IT-Messe der Welt. Nicht im sonnigen Kalifornien, sondern in Taiwan. Das Online-Special ist lesenswert und informativ, gerade wenn man das Land nicht besonders gut kennt. Es sind allerlei Länder-, Reise und kulturelle Informationen gut aufbereitet und verlinkt. Dieser Artikel liefert dazu einige Hintergrundaspekte.

Das Special hilft Besuchern bei der Suche nach einer Unterkunft, bei der Anreise und beim Aufenthalt in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Hinweise für die touristische Erkundung des fernöstlichen Landes dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wer noch zu Computex reisen möchte, muss sich mit den Vorbereitungen allerdings sputen: Die besten Flugverbindungen dürften bereits ausgebucht sein, wer jetzt noch bucht, muss mit langen Wartezeiten auf internationalen Umsteigeflughäfen rechnen.

Bekannte und unbekannte Seiten des Landes zeigen unsere Bilderstrecken zu den Themen Taiwan, Taipeh sowie Essen und Trinken. Auch das neue Messegelände in Nangang stellen wir im Bild vor. Reisende, die Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben wollen, sollten zumindest die einfachsten Redewendungen kennen – wir stellen sie in unserem kleinen Sprachführer vor, die Aussprache lässt sich anhand kleiner Audio-Schnipsel trainieren.

Auch die Millionenstadt Taipeh hat einiges zu bieten, wenn auch der Wolkenkratzer Taipei 101 durch den Bau des Burj Dubai nicht mehr der welthöchste Wolkenkratzer ist. Besucher mit empfindlichen Mägen sollten auf jeden Fall unsere Übersicht über das Essen in Taiwan berücksichtigen.

Einen Besuch in Taiwan können wir auch abseits dieses Events empfehlen, das steht außer Frage.

Wer thematisch gar nichts mit all dem anfangen kann, dem sei exemplarisch dieser Artikel bei taiwaninthenews empfohlen und zudem Nachrichtensender a la N24 o.ä., oder Youtube: da läuft ein Werbespot für Taiwans IT-Industrie, mit einigen Zahlen über weltweite Marktführerschaft und dem sinnfälligen Spruch “You’ll find IT in Taiwan”. Und genau darum gehts auf der Messe. Nicht ohne Grund hat der neue Präsident Taiwans die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, die Wirtschaft zu stärken, das Statusbewusstsein ist enorm.

Für die Volksrepublik China, die wirtschaftlich mit Taiwan aufs engste verflochten ist, gilt v.a. der Status als billiges Produktionsland, das zudem noch direkt vor der Haustür liegt. Bei heute.de erschien neulich ein Interview mit Andreas Gursch vom Deutschen Wirtschaftsbüro in Taipeh, das ganz gut erläutert, wie stark Taiwans Wirtschaft und wie groß ihre Strahlkraft in Asien ist (wir berichteten). Was im Interview nicht erwähnt wird, sind Taiwans Exportbeschränkungen für Hightech-Produkte – es darf also nicht alles auswärts produziert werden. Auch hier fürchtet man chinesische Copycats und ungewollten Wissenstransfer, und fördert massiv innovative Forschung und Entwicklung, um Brain Drain klein- und Innovationen im Land zu halten. Da erfüllt es mit Genugtuung, dass sogar der koreanische Dauerkonkurrent Samsung Flachbildschirme in Taiwan fertigen lässt und die VR China lahm verkündet, man wolle mehr LCD-Panel-Fabriken ins Land holen.


Erbebenhilfe für China aus Taiwan

21. Mai 2008

In den Taipei Times war bereits Ende vergangener Woche ein Editorial abgedruckt, in dem der unpolitische Charakter der Erdbebenhilfe für China erwähnt wurde, nicht ohne Spitzen gegen die Volksrepublik China: Taiwan gives with an open heart

In the spirit of humanitarianism, the government has expressed its condolences and offered assistance, with Premier Chang Chun-hsiung (張俊雄) on Tuesday announcing that Taipei would “provide all necessary resources” to help the Chinese government with relief work, which could include rescue teams, medical assistance and donations for reconstruction.

The same day, President Chen Shui-bian (陳水扁) called on the public to give generously and contribute to relief and reconstruction efforts.

The government announced yesterday a cash donation of NT$700 million (US$22.6 million) and NT$100 million in rice, adding it would seek to collect NT$1.2 billion in donations from the private sector.

Taipei’s generosity should be acknowledged as it appears to be free of the politicization that characterized Beijing’s “help” when it sent token aid to Taiwan after the catastrophic 921 Earthquake nine years ago.

Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft – Freunde Taiwans e.V. (ohne Internetseite) aus Berlin veröffentlichte heute ihren 168. “Taiwan-Blitz”, der auf das Erdbeben eingeht und über die Hilfeleistungen Taiwans berichtet:

Taiwan leistet Hilfe für Erdbebenopfer in China

Taiwans Regierung, Privatwirtschaft und Bevölkerung haben mit einer Welle von Hilfsbereitschaft auf das verheerende Beben, das die Provinz Sichuan erschüttert hat, reagiert.

Im Erdbebengebiet befanden sich auch 2.897 taiwanische Touristen, von denen nur ein einziger ums Leben kam. Die übrigen Touristen sind inzwischen mit Unterstützung der chinesischen Seite wohlbehalten nach Taiwan zurückgekehrt.

Am Mittwoch, dem 14. Mai 2008, hatte Taiwans Premierminister, Chang Chu-hsiung, die Entscheidung der taiwanischen Regierung bekannt gegeben, umgerechnet fast 42 Millionen Euro, für die Opfer des Erdbebens zu spenden.

Chen Min-tong, der Vorsitzende des Rates für Festlandsangelegenheiten, erklärte in Taipeh in einem detaillierten Bericht, dass zunächst umgerechnet 14,6 Millionen Euro Bargeld zusammen mit Lebensmitteln im Wert von 2,1 Millionen Euro, beides aus der öffentlichen Hand, über das nationale Rote Kreuz und die in Peking ansässige Gesellschaft für Beziehungen über die Taiwan-Strasse an die VR China gegeben werden sollen.

Die führenden Wohlfahrtsorganisationen in Taiwan, darunter die buddhistischen Stiftungen Tzu Chi, Ling Jiou Mountain und Fo Guang Shan sowie das Rote Kreuz der Republik China hatten bereits 24 Stunden nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe in der VR China mit ihren Spenden und Hilfsmaßnahmen begonnen. Mit außerplanmäßigen Charterflügen der China Airlines wurden mehr als 150 Tonnen Lebensmittel, Zelte, Schlafsäcke und Leichensäcke nach Sichuan geflogen. Allein die Stadt Taipeh entsandte zwei Rettungstrupps nach Sichuan. Bei einem großen von der China Times unter Mitwirkung von zahlreichen bekannten Künstlern und Schauspielern veranstalteten Benefiz-Konzert, bei dem auch der designierte Präsident Ma Ying-jeou und seine Frau anwesend waren, kamen am 18. Mai weitere umgerechnet etwa 4,7 Millionen Euro an Spenden zusammen.

Taiwan, das selbst häufig von Erdbeben betroffen ist, hat hoch ausgebildete Spezialisten, die in China wertvolle Arbeit leisten können. Bei einem großen Erdbeben am 21. September 2002 in Taiwan leisteten viele ausländische Rettungsmannschaften, auch aus Deutschland, Hilfe. Taiwan hat diese Art der schnellen Hilfeleistung sehr geschätzt. Im Rahmen von humanitären Aktionen zögert Taiwan daher nicht, seine Hilfe anzubieten, sei es in Burma oder in China.